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Theoretische Grundbegriffe

in der Montessori-Pädagogik

In der Montessoripädagogik gibt es typische Begriffe, die so in keiner anderen Pädagogikrichtung vorkommen. Diese werden hier erläutert:


Immanenter Bauplan
 
Dr. Maria Montessori geht auf Grund ihrer Beobachtungen davon aus, dass jeder Mensch einen sog. „immanenten Bauplan“ in sich trägt. Das heißt z.B. biologische Abläufe, etwa wann das Kind die ersten Zähne bekommt, wann es das Krabbeln beginnt, usw. Diese Abläufe sind bereits durch die biologische Veranlagung gegeben. Ebenso sind Neigungen, Interessen, besondere Talente und evtl. körperliche, seelische und geistige Schwachstellen schon häufig beim Embryo angelegt / festgelegt. Wie, und ob diese im Laufe des Lebens zu Tage treten, hängt jedoch auch von verschiedensten Umweltfaktoren ab. Deshalb hält Dr. Montessori die Umgebung in der ein Kind aufwächst für sehr bedeutend. Sie  bezeichnet das Kind als „geistigen Embryo“ der zur Welt kommt und dem Schutz und der Hilfe der Erwachsenen bedarf. Sie ist überzeugt davon, dass schon alle Möglichkeiten zur Entfaltung der individuellen Persönlichkeit grundgelegt sind, eben dieser „immanente Bauplan“. Durch entsprechende Anreize von außen (nicht jedoch Reizüberflutung) und unter Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes, gilt es diese Fähigkeiten zu erkennen und zu unterstützen.  Dazu gehört für Dr. Montessori besonders das Anbieten kindgerechter Lernmethoden und Materialien. Die moderne Lern- und Hirnforschung belegt inzwischen gesichert, dass Kinder in unterschiedlichem Alter, unterschiedlich wahrnehmen und somit lernen. Dr. Montessori versteht unter Erziehung und Bildung nicht in erster Linie das Unterrichten von Kindern, sondern das Anbieten von vielschichtigen „sinn – vollen“ Reizen und Anregungen, um die geistig-seelische Entwicklung des Kindes zu fördern. Lernen bedeutet mehr, als nur den Erwerb von Wissen und Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen), dem ab dem Schuleintritt ein so großer Stellenwert beigemessen wird. Lernen, beginnt für jeden Menschen, sobald er den Mutterleib verlässt. Ab dieser Stunde muss das Kind sich Tag für Tag dem Leben stellen und alles, was für uns Erwachsene so selbstverständlich ist, LERNEN.
Vielfältige Vorerfahrungen und Fähigkeiten müssen gerade in den Jahren vor der Einschulung erworben sein, sonst fehlt das so wichtig und stabile Fundament, auf dem die Schule aufbauen sollte. Dr. Montessori ist überzeugt, dass ein selbstbewusstes, gesundes Kind von sich aus Interesse und Neugier zeigt. Es will aus einer natürlichen inneren Motivation heraus Lernen. Wir Erwachsene drängen Kinder jedoch oft aus falschem eigenem Ehrgeiz in Richtungen, die zum Kind selbst nicht passen. Es gibt schon bei der Geburt Eltern, die darauf hinarbeiten, dass ihr Kind später Arzt wird, oder das Familienunternehmen weiterführt. Ob das wirklich im Interesse und im "Bauplan" des Kindes vorgesehen ist spielt dabei kaum eine Rolle. Häufig ist später die Enttäuschung umso größer, wenn Kinder aus diesem Schema ausbrechen. Für die Kinder ist es ein schwerer Weg dies zu wagen. Deshalb ist ein wichtiger Bestandteil in der Montessori – Pädagogik die Beobachtung. Diese lässt erkennen, welche Talente, Fähigkeiten und Interessen im Kind stecken. Es wird beachtet, welches Potential es einsetzen kann, und vielfach mit Erfolg tut, wenn man dieses zulässt und unterstützt. Seit 2003 wird gerade darauf, durch den sog. Bildungs- und Erziehungsplan (entwickelt von der Bayerischen Staatsregierung zur Bildung von Kindern in Betreuungseinrichtungen vor der Schule), ein besonderes Augenmerk gelegt. Dessen Beachtung ist in Bayern, für die Elemantarpädagogik , durch das Kindertagesstättengesetz verbindlich festgeschrieben.  Es werden die Stärken der Kinder in den Mittelpunkt gestellt. Es werden über die Stärken und Talente der Kinder vorhandene Entwicklungsabweichungen ausgeglichen bzw. gemildert oder gar aufgearbeitet. Dr. Maria Montessori legte darauf schon zu ihrer Zeit besonderen Wert. Sie fordert dies von, und für Bildungs- und Betreuungseinrichungen jeglicher Art.
 

Absorbierender Geist

Ebenso spricht Dr. Montessori davon, dass das Kind einen sog. „absorbierenden Geist“ besitzt.. Das Kind nimmt, je jünger es ist, positive wie negative Eindrücke, Erfahrungen, Einflüsse, Reize, Erlebnisse, usw. erst einmal auf. Es tut dies ohne zu sondieren und zu bewerten. Alle Sinne saugen die äußeren Eindrücke auf wie ein Schwamm. Unbewusst wird alles gespeichert. Dies birgt Chancen, jedoch auch Gefahren. Was bieten wir unseren Kindern an? Wie sprechen wir mit ihnen? Welches Vorbild in den verschiedensten Lebenssituationen geben wir ihnen? Setzen wir vernünftige, Sicherheit gebende Grenzen? ... Die Kinder können nur durch und von uns Erwachsenen Werte und Normen erfahren. Nur wir können ihnen zeigen was Humanität bedeutet. Nur durch uns werden sie lernen, wie wir miteinander umgehen sollten. Was bieten wir diesem „absorbierenden Geist“? Dazu ist wichtig, dass wir Erwachsene wissen, was für uns wichtige Werte sind. Haben wir überhaupt welche? Fairness, oder Ellbogen raus; Menschlichkeit, oder Denken nur an sich; Friede, oder „Mir das Meiste“; Hilfsbereitschaft, oder „Jeder soll sehen wo er bleibt“; Höflichkeit, oder „Frech kommt weiter“. Was wollen wir, das unser Kind absorbiert?
 

Horme`

Horme` bedeutet soviel wie Antriebskraft, Antriebsenergie. Dr. Maria Montessori meint damit, dass jedes Kind grundsätzlich eine innere Bereitschaft, eine Motivation zum Lernen besitzt (siehe "Immanenter Bauplan). Dies zeigt sich z.B. darin, dass jedes „gesunde“ Kind irgendwann das Laufen lernen möchte. Es gibt nicht auf, egal wie oft es umfällt. Es sucht sich die unterschiedlichsten Möglichkeiten, um sich irgendwo hochzuziehen. Es versucht mit allen Mitteln auf den oft wackeligen Beinchen zu bleiben. Es probiert so lange, bis es sicher ist und sich loslassen traut. Dann übt es weiter bis es ausdauernd auf seinen Beinen stehen, gehen und laufen kann. Diese Antriebskräfte zu unterstützen, wenn sie beim Kind im Zuge seines immanenten Bauplanes auftreten, wäre Aufgabe der Erwachsenen. Wie gehen wir damit um? Setzen wir das Kind lieber in den Laufstall? Fahren wir das Kind in der Regel im Kinderwagen? Spazieren wir über Wiesen und durch den Wald, oder ist es uns dort zu schmutzig? Natürlich gibt es diese Motivationen in verschiedensten Entwicklungsbereichen. Kennen Eltern, Erzieher und Lehrer diese ausreichend?
 

Barrieren

Wenn wir Erwachsene bei den Kindern diese inneren Antriebsenergien, die es in allen Entwicklungsbereichen und Entwicklungsstadien gibt, häufig unterbinden, nicht bemerken, übergehen, nicht fördern, spricht Dr. Montessori von „Barrieren“. Falsches Lob, sinnferne Strafen, Gängelungen, Unter- bzw. Überforderung, Vernachlässigung, anregungsarme aber auch reizüberflutende Umgebung, Grenzenlosigkeit, unklare Strukturen, fehlende sinnvolle Konsquenzen usw. bezeichnet Dr. Montessori ebenfalls als Barrieren. Kinder reagieren in der Regel darauf. Manche Kinder ziehen sich in sich zurück, werden still, ängstlich, überangepasst, trauen sich nichts zu, und ähnliches. Andere zeigen Verhaltensabweichungen wie Unruhe, Unkonzentriertheit, Aggression, Feindseligkeit, Ungehorsam, Leistungs- und Lernverweigerung etc.
 

Deviation

Zeigt ein Kind die oben genannten Abweichungen spricht Dr. Montessori von „Deviation“. Für sie zeigen Kinder, wie beschrieben, kein „normales“ kindliches Verhalten mehr. Kinder die nicht durch Barrieren „verbildet“ sind, sind in der Regel ausdauernd, aufgeschlossen, selbsttätig, selbstständig, neugierig, selbstbewusst wissbegierig, hilfsbereit, konzentriert ... Sie sind bereit, angessene Regeln anzunehmen (nicht unfaire Reglementierungen) um sich damit in einem Weg weisenden, schützenden und Sicherheit gebenden Rahmen zu bewegen.



Polarisation der Aufmerksamkeit

Dr. Maria Montessori war überzeugt und ihre Erfolge geben ihr Recht, dass „deviate“ Kinder durch das selbst „Tun“ dürfen, also durch sinnvolles Spiel, von ihr bezeichnet als "Arbeit“, wieder zu den erwünschten Verhaltensweisen geführt werden können. Im übrigen zu einem Verhalten, das in Schule, Gesellschaft und Berufleben hoch angesehen ist und erwartet wird. Montessori meint, je öfter und besser es gelingt, Kinder zur sog. „Polarisation der Aufmerksamkeit“ zu führen, desto eher kann die „Deviation“ abgeschwächt, bzw. aufgelöst werden. Das Kind gelangt wieder zur „Normalisation“. Polarisation der Aufmerksamkeit definiert Dr. Montessori so: „Eine tiefe Versunkenheit in eine Aufgabe, ein Spiel bzw. Arbeit, die sich durch keine äußeren Ablenkungen unterbrechen lässt.“ Diese Konzentriertheit und sichtliche innere Ruhe, die bei einer für das Kind interessanten und in der Regel selbst gewählten Arbeit entsteht, zeichnet sich oft zusätzlich dadurch aus, dass diese Kinder die Aufgabe immer und immer wieder tun. Viele Wiederholungen, die uns Erwachsenen meist sinnlos erscheinen, werden ausgeführt. Hier verpflichtet Dr. Montessori die Erziehenden nicht einzugreifen und das Kind mit belanglosen Forderungen zu unterbrechen. Auch wenn wir Erwachsene nicht nachvollziehen können, weshalb das Kind dieses Spiel, diese Geschichte , dieses Bilderbuch, das Hin – und Herschütten, den Turm wieder und wieder spielen, hören, machen, bauen und umwerfen will usw., ist es für die in diesem Moment anstehende Erfahrung und das Lernen des Kindes notwendig. Dann ist es wichtig diese Wiederholungen zuzulassen und das Kind gegebenenfalls dabei zu unterstützen. Montessori stellte fest, dass die Kinder, je häufiger sie zu einem so konzentrierten Tun fanden, mehr und mehr vorher bestehendes unerwünschtes Verhalten langsam wieder ablegten. Die Kinder erschienen nach ihrer Arbeit glücklich, zufrieden und aufnahmebereit für Neues. Die Neigung durch unerwünschte Verhaltensweisen Aufmerksamkeit zu erlagen ging deutlich zurück. Dr. Montessori erkannte, dass die „Polarisation der Aufmerksamkeit“ an Bedingungen geknüpft ist. Die Kinder brauchen dafür eine vorbereitet Umgebung in der sie für sich interessante Materialien und offene, sie ernst nehmende, objektive Erwachsene finden. Materialien müssen dabei nicht zwingend die Montessorimaterialen sein. Auch andere Materialien die das Kind im alltäglichen Leben zur Verfügung hat können dazu dienen.
Buchvorschlag:  „Kinder fördern im Alltag“ von P. Kunze / C. Salamander, Gräfe und Unzer Verlag; "Montessori für zu Hause" von C. Schäfer, dtv; "Schau, wie gut das riecht" von P. Mennen, Christopherus Verlag
 

Normalisation

Dr. Maria Montessori spricht von „Normalisation“ wenn ein Kind sozialfähig (hilfsbereit, höflich, ehrlich, kompromissfähig...) ist, konzentriert ist, sowie dem Alter entsprechend ausdauernd und ausgeglichen arbeiten kann. Ermöglicht man dem Kind viele Selbsterfahrungen, führt dies zu Selbstsicherheit und Selbsterziehung, woraus sich eine gesunde Selbstdisziplin (Moral, Eigenverantwortlichkeit, Achtung seiner selbst und anderer...) entwickelt.
 
Folgende Bedingungen für die „Normalisation“ sind laut Dr. Montessori Voraussetzung:
  • Berücksichtigung der „Sensiblen Phasen“
  • Bereitstellung anregender Materialien bzw. Montessorimaterialien
  • Polarisation der Aufmerksamkeit
  • Verhalten der Erziehenden


Sensible Phasen  /  Sensible Perioden

Siehe dazu das Referat:   „Sensible Phasen“

Inklusion (kein typischer Begriff in der Montessori-Pädagogik jedoch wichtiger neuer Begriff in der Mitbetreuung von Kindern mit besonderem Förderbedarf)

Dieser Begriff wird an Stelle von Integration, der früheren Bezeichnung zur Mitbetreuung von Kindern mit besonderem Förderbedarf  gebraucht. Bedeutung: In ein festes, bestehendes System einbetten, indem Angebote und Räume so gestaltet sind, dass jeder mitmachen kann, die Selbstständigkeit gefördert wird und eine aktive Teilnahme / Teilhabe am Leben ermöglicht ist.


Abschluss