http://kita-montessori-suro.de/selbst_tun.htm

Hilf mir, es selbst zu tun.“

die Bitte eines Kindes das Dr. Maria Montessori betreute, wurde zum Kernpunkt ihrer Konzeption und zum Motto ihrer Pädagogik.

 

Diese Bitte: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ ist etwas ganz besonderes.

Gerade so formuliert zeigt sich ganz deutlich, dass Kinder von sich aus tun wollen - das Lernen wollen, was sie in ihrer Umgebung, in der sie leben, beobachten – egal in welchen Bereichen. Für sie ist jeder Tag voll mit neuen, erst einmal unbekannten Dingen, die sie erforschen und entdecken wollen und somit ständig dazulernen. Dies bietet eine ausgezeichnete Chance, Kinder ganz selbstverständlich am Alltag teilhaben zu lassen und sie einfach mit Tun zu lassen.

Dass sie dabei, je jünger sie sind, Hilfe brauchen, ist in dieser Bitte eindeutig ausgedrückt – nicht aber, es FÜR sie zu tun – es ihnen grundsätzlich abzunehmen. Wenn schon, dann: Mach es MIT mir und nicht FÜR mich!

 

Erwachsene übersehen, überhören häufig den 2. Teil der Bitte - „es selbst zu tun.“

Wir verpassen gern den Zeitpunkt, ab dem unser Kind bereits weiter kommen könnte, bzw. bereits weiter ist – wir wollen lange gebraucht werden.

Viele unserer Handlungen, Hilfen, Unterstützungen werden aus dem Babyalter immer weiter mit ins Kleinkind- und Schulalter (manchmal noch länger) hinübergezoooooogen. Was im Babyalter noch unbedingt nötig war – im Kinderwagen fahren, aufhelfen nach dem hinpurzeln, Treppe hochtragen, Essen klein schneiden und füttern usw., wird immer weniger nötig. Leider schleifen sich solche Gewohnheiten schnell ein. Deshalb ist es immer wieder wichtig, genau hinzuschauen, ob dies tatsächlich noch nötig ist.

 

Wir meinen zwar häufig, dass wir darauf achten, es nicht mehr für unser Kind zu tun, weil es bereits andere Anforderungen bewältigen kann als noch vor ein paar Monaten oder einem halben Jahr. Ganz selbstverständlich, gedankenlos, automatisch, ziehen wir unser Kind dann doch immer noch selbst aus, füttern es, weil es weniger Kleckserei gibt, heben es in den Kindersitz, schnallen es in den Kinderwagen.... Unser Kind hat gar nicht die Chance überhaupt selbst tätig zu werden. Und in anderen Fällen, wie z.B. beim Treppe gehen, klettern usw., ist natürlich der wichtige Gedanke dabei - „Passiert da auch nichts!“ - also der ganz natürliche und ganz wichtige Schutzinstinkt bei Ihnen als Eltern.

 

Dr. Maria Montessori hat jedoch immer wieder beobachtet und festgestellt, dass Lernen nur gelingen kann, wenn selbsttätiges Handeln zugetraut wird, denn dann sind viele Wahrnehmungskanäle angesprochen, viele Sinne mit eingebunden. Nur dann legen sich im Gehirn dauerhafte, wichtige Vernetzungen an. Das alles bestätigt die moderne Lern- und Hirnforschung, da jetzt die wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten dafür gegeben sind.

 

Dieses – selbst Tun – ist bereits mit ganz jungen Kindern möglich – spätestens, ab dem Zeitpunkt, ab dem das Kind zu laufen beginnt – manches auch schon früher.

Deshalb ist das selbst Tun bei uns hier in der KiTa stets im Vordergrund – natürlich immer im Hinblick auf die Sicherheit und das Wohlergehen der Kinder. So können die Kinder in einem beschützen, jedoch nicht überbehüteten Rahmen entdecken, ausprobieren, forschen, Erkenntnisse und Erfahrungen erwerben und verinnerlichen. Diese brauchen sie, um lebenstüchtig zu werden und zu sein.

 

Wir unterstützen, was von zu Hause bereits mitgebracht wird und führen es weiter. Wir bahnen verschiedenes Andere an, das zu Hause mit aufgegriffen und umgesetzt werden sollte.

Um selbst tätig sein zu können braucht das Kind Erwachsene:

  • die ihm etwas zutrauen, es selbst erleben, entdecken, forschen lassen
  • die es nicht Klein halten
  • die viel eigenes TUN zulassen
  • die beobachten und erkennen, was es bereits kann - oder was es braucht, um es immer mehr selbst zu können (was braucht mein Kind jetzt noch, was braucht es bereits nicht mehr)
  • die sich die Handlungsabläufe bewusst machen und sie dem Kind zeigen (langsam zeigen, darauf achten wie man sitzt, steht damit Kind gut sehen kann bzw. bei seinem eigenen Tun unbehindert bleibt; immer gleicher Ablauf, auch wenn eine andere Person es weiter macht; Hilfreich dabei ist, wenn die Aufmerksamkeit vom Kind nur kurz sprachlich geholt wird, z.B.: „Schau mal!“ und dann eher kommentarlos gezeigt wird – bzw. nur kurze, knappe Sätze. Sonst lenkt die Erklärung die Kleinen oft vom eigentlichen Tun/Zeigen ab. Kleine Kinder schauen uns in der Regel an, wenn sie uns sprechen hören – so lernen sie Sprache - Mundbeobachtung)
  • die Zeit schenken, damit es im eigenen Tempo probieren, üben kann – die also Wiederholungen zulassen
  • die Geduld / Verständnis haben, wenn es nicht gleich klappt
  • die Ermutigung und Zuspruch geben - „Ich weiß du schaffst das – probier noch mal.“
  • die Möglichkeiten im Rahmen des Könnens und Wissens schaffen, anbieten, zulassen – und die eine Ausweitung mit zunehmendem Alter bieten (vorbereitete Umgebung),
  • die MIT dem Kind – nicht – FÜR das Kind etwas tun

Übrigens zeigen neuste Erkenntnisse aus der Lern- und Hirnforschung, dass besonders gut, leicht und nachhaltig gelernt wird, wenn Lernen im sozialen Kontext geschieht - also zusammen mit Anderen - und wenn dabei Spaß, Freude und Begeisterung im Vordergrund stehen.

 

Der Erziehungsauftrag ist, die Kinder lebenstüchtig zu machen! Dazu gehört, dass alltägliche Bewegungen automatisch ablaufen können und dass die Wahrnehmung – alle Sinne - gut geschult sind. Daraus entsteht Neugier, Ausdauer, Konzentration und gesundes Selbstbewusstsein --- alles Kompetenzen, die letztendlich dazu führen, schulisches Lernen und das Leben zunehmend selbstständig zu meistern.

Wenn Sie Ihren Kinder „nur“ im Alltag zumuten mit zu helfen, mit zu tun, dann bieten Sie das beste Grundgerüst für die Schule – denn im lebenspraktischen Handeln, werden alle Entwicklungskompetenzen geübt und geschult! Wir in der KiT, vertiefen und differenzieren zusätzlich mit Angeboten und speziellen Materialien und Spielen.

 

Trauen sie ihren Kindern ruhig mehr zu. Sie werden staunen, was alles in ihnen steckt.

 

Das Wichtigste was Eltern ihren Kindern beibringen können,

ist – ohne sie zurecht zu kommen.“

(James Clark, Informatiker)

 

Literaturempfehlungen:

„Vom Baby zum Kleinkind“, Sabine Pauen, Spektrum Verlag, ISBN 978-3-8274-2779-3

„Kinder fördern im Alltag“, P. Kunze/ C. Salmander, Gräfe und Unzer Verlag, ISBN 3-7742-3757-3

„Geschickte Hände, wacher Verstand“, S. Pauli/ A. Kisch, Urania Verlag, ISBN 3-332-01196-0

 

 


Abschluss