http://kita-montessori-suro.de/freundschaften.htm

 

„Spielt mein Kind mit den anderen Kindern?“

 

Liebe Eltern,

diese Frage hören wir verständlicherweise immer wieder. Schließlich ist Ihr Kind täglich in einer Gruppe mit vielen anderen Kindern beisammen.

Grundsätzlich ist das Spielverhalten abhängig:

  • vom Alter und Entwicklungsstand Ihres Kindes
  • welche Erfahrungen es bereits von zu Hause mitbringt – ist es ein Einzelkind, war es vor der KiTa bereits in einer Mutter-Kind-Gruppe, ist es im Familienverbund mit Cousinen... regelmäßig zusammen, wie unterstützen Sie als Eltern die Kontakte zwischen Ihrem und anderen Kindern, usw.
  • in welches Gruppengefüge der KiTa Ihr Kind kommt, etwa zu mehr älteren Kindern; vielen Kindern in der Gruppe, die die Einrichtung schon länger besuchen; wie viele Mädchen und Jungen in der Gruppe sind ...

 

Hier haben wir für Sie eine kurze Zusammenstellung, wie sich das Spielverhalten und die Bildung von Freundschaften in der Regel entwickelt. Da jedes Kind anders ist und andere Erfahrungen mitbringt und macht, kann dies immer auch von den hier aufgeführten Altersangaben abweichen. Sollte sich über längere Zeit wenig oder gar kein Bezug zu anderen Kindern bilden, werden wir Sie natürlich darüber informieren. Wir suchen nach gemeinsamen Lösungen, um den Aufbau von ersten netten Freundschaften zu fördern – eine Möglichkeit ist immer, dass Sie selbst Kontakte zu anderen Eltern der KiTa suchen, pflegen und sich privat gegenseitig besuchen.

 

Ab der Geburt bis ca. 6. Lebensmonat

 
  • Das Kind nimmt zuerst kaum andere Personen, sondern die primären Bezugspersonen - also Mama und Papa, wahr.
  • Diese Wahrnehmung erfolgt vorrangig über die Stimme, den Herzschlag, der Körpersprache und den Geruch der Bezugspersonen.

Ab ca. 6. Lebensmonat

bis ca. 1. Lebensjahr

 
  • Das Kind erweitert sein Wahrnehmungsfeld und nimmt nun auch andere Personen immer intensiver wahr.
  • Andere Kinder werden noch wie Gegenstände wahrgenommen
  • Die Kinder treten in Kontakt, indem sie nebeneinanderher spielen und sich dabei beobachten.
  • Die Eltern werden als „echte Personen“ wahrgenommen, da hier bereits abschätzbare Interaktionen stattfinden, z.B. „Immer wenn ich weine, kommt die Mama und tröstet mich. / Immer wenn ich in den Blumentopf fasse, holt mich der Papa weg.“ usw.

Ab etwa 14 Monaten

 
  • Das Kind unterschiedet immer besser andere Kinder von leblosen Gegenständen.
  • Das Kind spielt immer noch eher neben den anderen her, entwickelt jedoch bereits deutliche Kontakt-Vorlieben zu bestimmten Kindern.
  • Erste (meist ganz kurze) „echte soziale Interaktionen“ entstehen, z.B. Schnulleraustausch / ein Spielzeug wird hin- und hergereicht / oder auch kleine Schubser ausgeteilt …

Ab etwa dem 2. Lebensjahr

 
  • Das Kind kann genau zwischen Gegenständen und Personen / Gleichaltrigen und Älteren / Bekannten und Fremden unterscheiden – Besuche in anderen Familien werden langsam interessant (mit Mama ...)
  • Erste, meist noch sehr kurz andauernde, Freundschaften entstehen. Sie zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass eher bewegungsfreudige Spiele (Toben im Bewegungsraum und Garten) und Spiele mit vielen Wiederholungen gemacht werden, etwa immer wieder etwas für die Puppenkinder kochen, sich mit stets den gleichen Tüchern und Hüten verkleiden...
  • Es wird deutlich der Zweierkontakt (homogene Kontakte) gegenüber einer größeren Gruppe bevorzugt.

Ab ca. dem 3. Lebensjahr

 
  • Das Kind unterscheidet immer mehr zwischen Mädchen und Jungen, wobei das Spiel mit beiden gleichberechtigt gemocht und gepflegt wird.
  • Das Spiel mit mehreren Kinder gemeinsam tritt in den Vordergrund.
  • Gemeinsame Tischspiele werden immer interessanter.
  • Durchdachte und in gemeinsamer Absprache festgelegte Rollenspiele werden intensiv ausgelebt.
  • Etwa mit 4 bis 4,5 Jahren tritt mehr und mehr der Kontakt zu Kindern des eigenen Geschlechts in den Vordergrund, wobei sich aber auch bereits gebildete Freundschaften zwischen Jungen und Mädchen oft erst noch einmal vertiefen.

Ab dem 4.  Lebensjahr

bis etwa 6. Lebensjahr

          
  • Jetzt vertiefen sich Freundschaften weiter. Die Kinder besuchen sich gerne, auch alleine privat im jeweils anderen Elternhaus.
  • Je mehr es auf den Schuleintritt zugeht, umso mehr treten die gleichgeschlechtlichen Spielpartner in den Vordergrund.
  • Gruppenspiele - „Banden“- sind das gewünschte Spielumfeld.

 

 

Übrigens – Streiten gehört zu jeder Freundschaft – schon bei den Jüngsten.

Nur so entwickelt sich eine faire Streitkultur.

 

Kürzlich erzählte mir meine Freundin vom Streit ihres Sohnes mit seinem besten Freund. Es ging ziemlich laut her. Sie selbst wollte bereits eingreifen als ihr 4 jähriger Sohn meinte: „Ist nicht schlimm Mami, Tobi und ich streiten nur.“

 

Gut, dass sich die Mama zurückgezogen hat, die Situation jedoch weiter beobachtet hat. Nach wenigen Minuten war dieser Streit ohne weitere Schlichtungsunterstützung beendet. Die beiden Jungs spielten fröhlich weiter.

 

Streiten gehört bei Kinder (übrigens auch bei Erwachsenen) dazu. Nur so lernen Kinder abzuschätzen, was für sie und andere in Ordnung ist, dass andere Personen ebenso Bedürfnisse haben wie sie selbst, dass jeder etwas anderes gerne - bzw. eben nicht so gerne mag und dass sich das durchaus von den eigenen Empfindungen unterscheiden kann.

Nur so lernen sie Meinungsverschiedenheiten oder Frustrationen gemeinsam zu lösen. Und Streiten will gelernt sein. Auch hier macht nämlich Übung den Meister. Darum ist das Einmischen von Erwachsenen nur in Ausnahmefällen von Vorteil.

 

Wir beobachten die Kinder dabei sehr genau!!!!

 

Wir greifen ein, wenn absehbar ist, dass es den Kindern nicht selbst gelingt den Konflikt zu lösen, etwa wenn ein Kind dem anderen stark überlegen ist, wenn Verletzungsgefahr besteht, oder die Kinder von sich aus darum bitten zu helfen. Nur wenn die Kinder ohne, oder mit Unterstützung (Fragen zum Problem, betroffene Kindern erzählen lassen, was sie ärgert....) keine Lösung finden, bestimmen wir, wie weiter vorgegangen werden soll (z.B. zurückgeben des Spielzeugs an das andere Kind; Tobepause; Trennen der streitenden Kinder voneinander bis sich die Lage wieder beruhigt hat ....)

 

Streiten ist eine Chance, sich aneinander zu reiben und dann wieder zu einigen – eine hohe Kunst.
Und Reibung erzeugt ja bekanntlich Wärme – ein im Anschluss schönes Gefühl!

 


Abschluss