http://kita-montessori-suro.de/freiheitsgedanke.htm

Montessori, das ist doch die Pädagogik,

  in der Kinder alles dürfen?!

 

Der Freiheitsgedanke in der Montessori-Pädagogik

näher beleuchtet

 

Ausgangspunkt zu diesem Themenabend waren Erzählungen von Eltern, deren Bekannte meinten, dass sie ihr Kind nicht in eine Montessori-Kita geben würden, denn dort dürfen Kinder alles was sie wollen und es gäbe keine Regeln und Grenzen – also keine sinnvollen und klaren Strukturen. Alles sei frei und vom Kind bestimmt.

Richtig ist, dass in der Montessori-Pädagogik dem Kind Freiheiten zugestanden werden, innerhalb eines vorgegebenen Rahmens mit sinnvollen, fairen, für die Kinder nachvollziehbaren Regeln und Grenzen.

Freiheit wird von verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich - und das in der Regel für sich sehr persönlich - definiert. Einerseits besteht jeder darauf, in seiner Freiheit nicht beschnitten zu werden, selbst Entscheidungen treffen zu dürfen, sich wenig an Vorgaben halten zu müssen usw. Andererseits wird Freiheit negativ betrachtet, sobald etwas zu frei wird, wenn sich jemand anders zu viele Freiheiten herausnimmt. Das aber ist für jeden eine persönliche Auslegungssache. Jeder empfindet es anders.

Es ist richtig, dass Dr. Montessori, die diese Pädagogik prägte, immer wieder den Begriff der Freiheit gebraucht – dies jedoch immer gleichzeitig in Verbindung mit Disziplin, wobei SIE Disziplin gleichbedeutend mit Verantwortung sieht.

Wenn man das Wort „Disziplin“ nun in Verbindung mit Freiheit hört und liest, relativiert sich bereits einiges - und manche werden diesen Begriff vielleicht mit Bauchschmerzen hören, da er bei den Meisten nur negativ besetzt ist.

Für Dr. Montessori geht das Eine jedoch nicht ohne das Andere. Sie sagt: „Es sind zwei Seiten der selben Medaille.“ (Montessori 1972, „Das kreative Kind“, S.258). Und damit steht sie nicht alleine, wenn man Zitate und Aussagen von Politikern, Philosophen, Freiheitskämpfern, Schriftstellern usw. vergleicht. (wurden beim Elternabend ausgehändigt; viele dazu finden Sie im Internet - Neugierig? - dann forschen sie doch mal)

Um sich ein klareres Bild zu machen ist es wichtig , die übliche teils oberflächliche Definition der einzelnen Begriffe, objektiv zu betrachten. Dazu wurden verschiedene Quellen verglichen, die natürlich im Grunde das Gleiche aussagen. Der Duden bringt es für mich persönlich am besten auf den Punkt. (Duden Band 8, „Sinn-und sachverwandte Wörter und Wendungen“, 1986 S. 248; Duden Band 5, „Fremdwörterbuch“, 1974 S.185)

Bei „Freiheit“ findet man unter anderem: „Unabhängigkeit“, „Ungezwungenheit“, „Freiraum“, „Selbstverwirklichung“, „Selbstbestimmtheit“ - NICHTS jedoch von planlosem, uneingeschränktem Handeln; Tun und Lassen was man will; egozentrischem Durchsetzen von Interessen;

Der Begriff „Disziplin“ ist umschrieben mit: „auf Ordnung bedachtes Verhalten.“ „Moral“ und auch „Drill“, „Zucht“ - mit welchem Begriff oder Gefühl bringen Sie selbst „Disziplin“ in Verbindung?

 

Wie stehen Sie selbst als Eltern zu „Freiheit“ und „Verantwortung“?

Betrachtet man die beiden Begriffe sachlich, ist „Freiheit“ etwas absolut erstrebenswertes und „Disziplin“, im positiven Sinne, ebenso wenig verkehrt.

Sie wollen sicher alle, dass ihr Kind mit zunehmendem Alter immer unabhängiger und verantwortungsbewusster (disziplinierter) wird – die Betonung liegt hierbei ausdrücklich auf – MIT ZUNEHMENDEM ALTER - Montessori betont (Zitat): „Der verantwortungsvolle Gebrauch der Freiheit, ist eine Folge der kindlichen Entwicklung, sie muss sich also erst nach und nach entwickeln und sinnvoll gelernt werden. Dies geschieht durch einfühlsame, nicht jedoch ständig nachgiebige, alles Gewähren lassende Erwachsene. Jeder Erziehende muss genau unterscheiden, zwischen den kindlichen Impulsen und Wünschen, die sie fördern und unterstützen müssen , und jenen, die begrenzt und unterbunden werden müssen.(schreibt müssen!!) „(Montessori 1972, „Das kreative Kind“, S.238)

„Dem Kind seinen Willen lassen, das seinen Willen nicht entwickelt hat, heißt den Sinn der Freiheit verraten.“ (Montessori 1972, „Das kreative Kind“, S. 184)

Die Schriften und Aussagen Dr. Montessoris zu ihren Freiheitsforderungen, lassen normalerweise keinen großen Spielraum der Deutung und Auslegung zu, wenn man sie aufmerksam studiert!!

 

Was genau meint Montessori also, wenn sie von Freiheit in der Erziehung spricht?

Sie meint damit ganz einfach, Kinder je nach Alter und Entwicklungsstand mehr und mehr dazu zu befähigen:

  • selbstständig Entscheidungen mit zu treffen
  • eigene Meinungen, Wünsche und Bedürfnisse angemessen zu äußern und sich dies vor allem auch zu trauen
  • verantwortlich mit sich , mit Anderen und mit Dingen umzugehen
  • Konsequenzen, die aus der freien Entscheidung entstehen, je nach Alter und Entwicklungsstand, zu übernehmen und zu tragen.

Es bedeutet NICHT, wie immer wieder fälschlicher Weise interpretiert und diskutiert wird:

  • nur zu tun was ICH will
  • uneingeschränkt etwas zu tun wann ich es will
  • willkürlich zu handeln auf Kosten von Anderen
  • einen Freibrief zu haben für böswilliges, verletzendes, zorniges, aufmüpfiges, unanständiges, verweigerndes Verhalten.

Dies müssen Kinder von Klein auf lernen und zwar mit Hilfe von uns Erwachsenen – auch hier nach dem Motto: „Hilf mir, es selbst zu tun.“

 

Wie soll das gehen? Welche Konsequenzen sind damit verbunden?

Dr. Montessori fordert egal wie jung ein Kind ist, Achtung und Respekt vor der Person des Kindes. Sie bemerkt schon beim Säugling das Streben nach Unabhängigkeit. Er will von sich aus sitzen lernen, er will von sich aus laufen lernen, er will immer mehr und weiter seine Umwelt erkunden und mit allen seinen Sinnen erforschen. So hängen Wille und Aktivität sehr eng zusammen. Das drängende Bedürfnis nach Selbstständigkeit ist bei jedem gesunden Kind vorhanden. Nur so kann es mehr und mehr unabhängig vom Erwachsenen werden - frei werden. Wir wollen schließlich keine Kinder, die ewig an unserem Rockzipfel hängen und das Hotel Mama als selbstverständlich betrachten. Diese Selbstständigkeit muss, je nach Kind, entsprechend geübt und gelernt werden. Dafür wird es kein Patentrezept geben, denn jedes Kind ist anders und braucht somit andere Angebote und Möglichkeiten, um diese Unabhängigkeit erreichen zu können. Dabei spielen angeborene Begabungen und Charaktere ebenso eine Rolle, wie die Umgebung in der ein Kind aufwächst. Manche Kinder sind schon von klein auf sehr fordernd, unberechenbar, mutig und treffen vielleicht auf eine Umgebung in der die Erziehenden eher ängstlich und unsicher sind. Dieses Kind wird in seinem Freiheitsbedürfnis in der Regel sehr stark eingeschränkt werden. Damit wird es unweigerlich zu Auseinandersetzungen und Machtkämpfen, wie Zornausbrüche, usw. kommen.

Dr. Montessori legt in jedem Entwicklungsbereich großen Wert auf die individuelle Beobachtung des Kindes. Daraus leiten sich die Handlungen, die Angebote, die Förderung usw. ab, auch im Bereich der Freiheiten die sie für Kinder fordert, also:

  • wie
  • wo
  • wie viel an Freiheiten

man dem entsprechenden Kind zutrauen kann und zumuten darf. (Entwicklungsstand!, Wissen und Können...)

Sie fordert deshalb Vorbilder, die Wege zum Gelingen mitgehen. Und manche Wege sind steinig und schwer, sowohl für die Kinder, als auch für die Erziehenden. Nur wenn man Freiheit richtig lernt, kann man sie richtig anwenden und wird nicht zu einem egozentrischen, also nur auf sich selbst bezogenen Menschen. Nur wer gelernt hat im sozialen Gefüge zurecht zu kommen, wird auch einen guten Weg in allen Lebensbereichen finden - denn wir werden immer in zwischenmenschlichen Verbindungen (Gruppen) eingebettet sein.

Um den sinnvollen Gebrauch von Freiheit zu lernen fordert Dr. Montessori natürliche Übungsmöglichkeiten von Klein an – und zwar täglich.

Dabei treffen die Kinder einerseits auf sog. „natürliche Grenzen“ und brauchen andererseits  immer wieder uns Erwachsene, um achtsame Begleitung und Führung zu erfahren.

Klare Strukturen müssen gegeben sein:

  • das Verhalten betreffend
  • den Umgang miteinander betreffend
  • und Rituale, sowie den Tagesablauf betreffend.

Das sieht Dr. Montessori als vorrangige Aufgabe von verantwortungsbewussten Erziehenden.

Zu den natürlichen Grenzen gehören:

  • die Grenzen des eigenen Könnens (z.B. auch durch Behinderung) und Wissens, die gegeben sind durch das Alter und die Erfahrungen des Kindes.
  • die Grenzen von Zeit und Raum, die gegeben sind durch den Jahreskreis, den Tagesrhythmus, dem Umfeld, in dem ein Kind aufwächst.

Zu den Grenzen die Kinder durch uns Erziehende erfahren sollten gehören:

  • Regeln und Grenzen zum Eigenschutz des Kindes, um z.B. die Gesundheit des Kindes zu schützen.
  • Regeln und Grenzen zum Schutz Anderer und Anderem, um deren/dessen Unversehrtheit zu gewährleisten.
  • Regeln und Grenzen, um ein faires Miteinander in einer demokratisch orientierten Gesellschaft zu ermöglichen, z.B. Achtung vor dem Eigentum der Anderen; Achtung vor der Würde des Anderen; Achtung vor der Meinung des Anderen... – also alles, was auch wir von Anderen uns gegenüber erwarten!

Nur innerhalb dieser Strukturen verlangt Dr. Montessori Freiheit zu ermöglichen.

„Die Freiheit muss von Klein an aufgebaut werden, damit Kinder lernen, ihrem Entwicklungsstand gemäß, eigenständige Entscheidungen treffen zu können.“ (Zitat von Dr. Montessori aus der privaten Mitschrift während der Montessoriausbildung)

Das bedeutet – je älter, je verantwortungsbewusster ein Kind wird, desto mehr Freiheiten können ihm zugestanden werden – also auch hier wieder die beiden Seiten der Medaille - „Freiheit und Disziplin“. Das bedeutet natürlich, dass verantwortungsvolle Erziehende die Regeln und Grenzen, genau wie die immer selbstständig werdenden Kinder, regelmäßig hinterfragen, überdenken und sinnigerweise abändern/verändern müssen. Dies birgt jedoch auch die Erkenntnis, die Konsequenz aus einem möglichen Freiheitsmissbrauch, mit zunehmendem Alter, immer mehr selbst ziehen zu müssen. Z.B. beim Fahren mit Alkohol am Steuer, muss der Entzug des Führerscheins hingenommen werden.

 

Damit die Kinder von Klein an täglich die Möglichkeit haben immer verantwortungsbewusster, somit also disziplinierter zu werden, bietet und fordert Dr. Montessori die im Folgenden beschriebenen vier Freiheiten. Mit diesen, können schon Kinder ab spätestens dem ersten Lebensjahr üben, eine Wahl zu treffen und Entscheidungen mit zu übernehmen. Dies ist die Basis für spätere, verantwortungsvollere Entscheidungen, die selbstständig getroffen werden.

  1. Die Freiheit, in alltäglichen Dingen immer wieder mitentscheiden zu dürfen.
  2. Die Freiheit,  zu entscheiden, mit was und wo es sich beschäftigen möchte – also die Wahl von Spiel und Arbeit mit der Wahl wo dies geschehen soll.
  3. Die Freiheit, mit zu entscheiden, mit wem es sich beschäftigen möchte, also die Wahl des Spielpartners, oder welcher Erwachsene bevorzugt zum Kuscheln usw. gewünscht wird.
  4. Die Freiheit zu haben, wann und wie lange es sich für etwas Zeit nehmen, sich mit jemandem beschäftigen möchte.

Beispiele zur Freiheit,  in alltäglichen Dingen mitentscheiden zu dürfen:

  • z.B. darf das Kind aus zwei verschiedenen Kleidungsstücken wählen, die es auf Grund der Wetterlage anziehen kann – es hat jedoch NICHT die vollkommen freie Wahl, Sandalen im Winter tragen zu dürfen (bedingt durch natürliche Grenze von Zeit, hier Jahreszeit)
  • das Kind darf die Brotzeit für die Krippe, den Kindergarten mit aussuchen (je Jünger umso weniger Auswahlmöglichkeiten vorgeben)
  • es darf beim Mittagessen mit entscheiden, welches von den beiden Speisen (bei älteren Kinder evtl. auch 3 Gerichten) es zu Mittag haben möchte
  • es darf beim Essen evtl. die Erbsen liegen lassen und nur die Kartoffeln essen
  • das Kind darf sich selbst die Menge auf den Teller holen, die es glaubt essen zu können
  • oder es darf die Zahncreme selbst mit aussuchen, die es zum Zähneputzen verwendet (doch es putzt in jedem Fall die Zähne)

--> mit diesen und noch vielen anderen Auswahlmöglichkeiten - Freiheiten - lernt es, mit zu entscheiden und für die eigene Handlung Verantwortung zu übernehmen

 

Beispiele zur freien Wahl des Spiels / der Arbeit und wo es sich beschäftigen möchte:

  • das Kind sucht sich selbst ein Spiel / eine Arbeit aus. Die Beschäftigung damit erfolgt jedoch nach den vorgegebenen Spielregeln, ohne etwas kaputt zu machen / ohne anderen damit weh zu tun. Gespielt wird auf dem Tisch (hier bei uns, auch auf dem Arbeitsteppich), jedoch NICHT vor einer Türe, die geöffnet werden könnte (Freiheit und Disziplin / Schutz des Kindes vor Gefahr).
  • das Kind holt die Malstifte. Gemalt wird  auf dem dafür bereitstehenden Tisch auf Papier, NICHT an die Wand, NICHT auf den Tisch selbst (vorgegebene Grenze und Achtung vor dem Eigentum). Logische Voraussetzung: ein passender Platz muss zur Verfügung stehen, also von uns angeboten, vorbereitet werden (z.B. Tischdecke auflegen, Malunterlage bereitstellen)
  • das Kind darf den Tisch mit decken. Der Umgang mit den Gläsern/Tellern... wird entsprechend gezeigt, damit nichts zerbricht. (Wir trauen dem Kind auch diesen Umgang zu!)
  • das Kind möchte sich bewegen, um seinen natürlichen Bewegungsdrang auszuleben. In der KiTa kann es in den Garten / in den Bewegungsraum. Zu Hause in den Hof / auf den Spielplatz. In der KiTa geschieht dies unter Aufsicht, NICHT um ständig einzugreifen und zu reglementieren, sondern um Gefahren rechtzeitig zu bannen (natürliche Grenze kann sein, dass eine Pädagogin krank ist, deshalb die Freiheit nicht besteht in den Garten gehen zu können. Die Aufsicht wäre nicht gewährleistet - auch das müssen Kinder lernen; Erwachsene müssen sich nicht allzu schnell den Ansprüchen der Kinder unterordnen!)
  • das Kind will Ruhe, dafür hat es in seiner Umgebung (Wohnung / Zimmer / Gruppenraum) die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, mal nur herumzuliegen, Langeweile zu erfahren (Langeweile ist ein unsichtbarer Motor, der es ermöglicht danach wieder selbst aktiv zu werden) ein Buch anzuschauen, etwas mit den Duplosteinen zu bauen....
  • das Kind bekommt in der KiTa Hunger. Es kann innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens (5 Stunden) selbst entscheiden, wann es zum Essen kommen will. Der Platz in der Küche ist bindend. Es wird NICHT in der Garderobe oder im Turnraum gegessen, sondern am entsprechenden Esstisch, an dem bereits auch natürliche Grenzerfahrungen gemacht werden. Das Kind kann, wenn mehrere Stühle frei sind, selbst entscheiden, wo es sitzen möchte. Das Kind kann NICHT immer auf dem gleichen Stuhl Platz nehmen, wenn dort gerade ein anderes Kind sitzt. Es muss auch mal warten, wenn gerade kein Platz frei ist.
  • das Kind darf bei uns (wie in jeder KiTa!!!) während der Freiarbeitszeit aussuchen, was für ein Spiel es auswählt, es lernt aber auch, zwischendurch vorgegebene Arbeiten zu akzeptieren und mitzumachen.

--> mit diesen und noch vielen anderen Auswahlmöglichkeiten - Freiheiten -  lernt es, mit zu entscheiden und für die eigene Handlung Verantwortung zu übernehmen

 

Beispiele zur Freiheit mit wem es sich beschäftigen möchte:

  • das Kind darf mit entscheiden: mit wem es spielen will. Eine evtl. natürliche  Grenze kann sein, dass der gewählte Spielpartner gerade gar nicht mit dem anderen Kind spielen will. Es darf jedoch niemanden weg schubsen, oder jemandem etwas wegnehmen (nur um seinen Willen durchzusetzen, oder aus Ärger). Das Kind lernt, auch andere als Zuschauer zu akzeptieren. Achtsames Steuern, damit das Kind dies langsam erlernen kann, passiert durch den Erwachsenen. Nur mit zunehmendem Alter kann das erwünschte Verhalten durch wiederholtes Erfahren / bei älteren Kindern auch durch diskutierendes Erklären / und durch vorbildhaftes Verhalten der Erwachsenen angebahnt werden. Und manmal darf man auch  etwas nicht, weil es eben so ist "Warum?"- "Darum.")
  • das Kind darf z.B. in der KiTa selbst mitentscheiden, mit welcher erwachsenen Bezugsperson es sich beschäftigen möchte. Besonders wichtig ist dies während der Eingewöhnungszeit! Eine natürliche Grenze kann sein: dieser bestimmte Erwachsene ist im Spiel mit anderen Kindern / ist krank....
  • hierzu gehört auch die Achtung davor, wenn das Kind bestimmten erwachsenen Personen kein Küsschen geben, nicht auf dem Schoß sitzen, oder umarmt werden möchte --- Im Hinblick auf Missbrauch sollte dies in jedem Fall geachtet werden! Es kann sicher eine andere höfliche Form des Umgangs miteinander gefunden werden.

 

Beispiele zur freien Wahl wann und wie lange sich das Kind für etwas Zeit nehmen möchte:

  • das Kind darf sein gewähltes Spiel / seine Arbeit während der Freiarbeitszeit solange ausführen, wie es möchte. Jedoch wird das Material am Ende entweder mit seinem persönlichen Zeichen versehen (weil es das Ergebnis noch der Mama / dem Papa beim Abholden zeigen möchte), oder wieder ins Regal zurück, also aufgeräumt. (Freiheit und Disziplin) ---Wichtig ist, dem Kind zu vermitteln, das Zeichen nicht einfach zur geholten Arbeit zu legen. Eine gewisse Arbeitsphase gehört auf alle Fälle dazu. Natürlich gehört hierzu immer wieder das Locken und Motivieren, das Spiel zu beenden, da die Ausdauer, die Konzentration und das Durchhaltevermögen ebenfalls langsam angebahnt werden müssen. Dazu braucht es jedoch in jedem Fall eine einfühlsame erwachsene Person, die das Kind immer wieder gut beobachtet und merkt, was es von ihm verlangen kann und darf.
  • das Kind hat die Freiheit, seine Brotzeit zu machen wenn es Hunger verspürt und so lange am Tisch zu bleiben wie es möchte. Jedoch NICHT  nur zweimal Abzubeissen, um wieder mit seinen Freunden weiterzuspielen. Hier wird gleichzeitig angebahnt, eine bewusste Entscheidung (Tasche holen und Brotzeit machen) auch einen gewisse Zeit zu machen. Das Selbstbewusstsein, jetzt verspüre ich Hunger, wahrzunehmen und zuzulassen. Zu Hause gibt es vielleicht diese Wahlmöglichkeit manchmal nicht, weil ein gemeinsames Essen gewünscht wird. Doch auch hier bietet sich die Freiheit der Wahl an, vielleicht mit bei Tisch zu sitzen und nur einen Teil essen zu brauchen.
  • Freiheit beim Zeitpunkt Brotzeit zu machen bedeutet  in unserer KiTa auch: den Kindern mit zunehmendem Alter bewusst zu machen, dass sie erst kommen sollen, wenn sie wirklich hungrig sind, (die Wahrnehmung wird geschult) und nicht nur zu kommen, weil die Triangel die Küchenöffnung anzeigt und ich Erster am Tisch sein will, obwohl ich gar nicht essen möchte.

 

Die Kinder erfahren und erleben also in einer Vielfalt von Situationen, dass sie selbst entscheiden können und dürfen, dass ihre Meinung gehört und geachtet wird. Dies geschieht jedoch innerhalb einer sinnvollen Ordnung und einem vorgegebenen sicheren Rahmen, in dem sie sich frei und gefahrlos bewegen können.

Wenn Kinder nur auf diesen vier Ebenen immer wieder die Möglichkeit erhalten zu wählen, eine eigene Meinung haben dürfen, etwas mitentscheiden dürfen, lernen sie wichtige Grundlagen. Diese sind die Basis für spätere, komplexere Entscheidungen und Wahlfreiheiten.

So wird Freiheit langsam und dem Alter entsprechend aufgebaut und ein gutes und sicheres Fundament geschaffen für zunehmende und weitreichendere Freiheiten.

Heutzutage zeigt sich eher die Tendenz, dass Kinder viel zu früh und zu oft Entscheidungen treffen dürfen, wählen dürfen, was SIE wollen und wie SIE es wollen. Meist sind sie dafür jedoch noch gar nicht reif und erfahren genug. Sie werden damit unnötig überfordert und lernen somit in keinem Fall den vernünftigen Gebrauch der Freiheit.

In der Montessori-Pädagogik geht es darum, den Kindern von Klein an Möglichkeiten zu bieten, freie, jedoch achtsame Entscheidungen mit zu treffen. Dies ist jeweils abhängig vom Entwicklungsstand, den Vorerfahrungen der Kinder und den Erwachsenen, von denen sie umgeben sind. Dr. Montessori will Grundsteine legen, damit die Kinder zu verantwortungsvollen Persönlichkeiten heranreifen können.

Deshalb ist es kaum nachvollziehbar, gerade die Montessoripädagogik als "Kuschelpädagogik" und regelfreie Pädagogik zu bezeichnen. Sie lebt von sinnvollen, fairen Regeln und Grenzen, die für die Kinder nachvollziehbar sind, Schutz und Sicherheit für ihre Entwicklung bedeuten.

Grundsätzlich sagt das folgende Zitat fast alles über Freiheit aus. Es scheint sehr einfach, es umzusetzen. Bei aufmerksamer Betrachtung ist dies dann wohl doch schwieriger als gedacht - denn hierbei muss die eigene Freiheit immer wieder überdacht werden und wird sicher des öfteren beschnitten.

 

„Die Freiheit besteht darin,

dass man alles tun kann,

was einem anderen nicht schadet.“

Matthias Claudius

 

Und ganz zum Schluss eine Bemerkung, deren Quelle mir leider nicht bekannt ist.

„Oftmals wurde von Beobachtern die friedvolle Atmosphäre der Kinder in der `Casa dei Bambini` (Kinderhaus von Dr. Maria Montessori in Rom) vermerkt. Es galt als Wunder, wie ruhig sich so viele kleine Kinder auf engstem Raum beschäftigten und wie diszipliniert sie sich dabei verhielten. Maria Montessori erstaunte dieses Phänomen nur anfangs, denn bald erkannte sie, dass sich durch ein Gewähren von Freiheit unter Berücksichtigung gewisser Grenzen, wie von selbst Disziplin einstellte.“

 

Gerne dürfen Sie uns Ihre Meinung zum Thema mitteilen, oder Fragen an uns richten. Wir freuen uns über Ihr Interesse.

 


Abschluss