http://kita-montessori-suro.de/eltern_regeln.htm

"Bockelliese, Zorni, Trotzkopf und Co"

Regeln, Grenzen und Konsequenzen

in der Montessori-Pädagogik

Gras

 

Liebe interessierte Leserinnen und Leser. Diese Niederschrift ist äußerst ausführlich, da wir uns bemüht haben, sehr viele Beispiele einzubringen. Wir hoffen, Sie haben einen langen Atem, um sie zu studieren. Wenn Ihnen die Puste ausgeht, machen Sie einfach mal Pause. Wir freuen uns auch über Beispiele und Ideen die Sie haben, um Regeln, Grenzen und Konsequenzen liebevoll, achtsam - jedoch klar umzusetzten. Schreiben Sie uns doch.

 

Gras

"Unsere Jugend liebt den Luxus,

hat schlechte Manieren,

missachtet die Autorität und hat keinen Respekt vor dem Alter.

Die heutigen Kinder sind Tyrannen.

Sie widersprechen den Eltern,

schlüfen beim Essen und wollen alles besser wissen als ihre Lehrer. "

Hätten Sie gedacht, dass dieses Zitat bereits über 1500 Jahre alt ist? Es stammt von Sokrates einem griechischen Philosophen (469 – 399v. Chr.). Sie sehen, Erziehende, die mit Kindern und Jugendlichen Herausforderungen zu meistern  haben, gab es schon immer. Jeder hielt natürlich die Kinder der folgenden Generation für kleine Tyrannen. Somit gleich vorweg: „Nobody is perfect“

Allerdings finde ich persönlich das folgende Zitat (von Albert Schweitzer, Arzt, evang. Theologe, Philosoph) viel schöner und treffender. Für mich sagt es alles aus, was ihr Kind im  jetzigen Alter  (1-6 Jahre) wirklich von Ihnen braucht.

„Wenn die Kinder klein sind, gib ihnen Halt,

wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel.“

Damit ist der Halt gemeint den Ihre Kinder brauchen, um eine gute Basis für alle kommenden Lebenslagen zu haben. Diese können und müssen vorrangig Sie als Eltern ihren Kindern geben - denn Sie sind von Anfang an deren Wegbegleiter. Sie verbringen in der Regel immer noch die meiste Zeit zusammen mit Ihrem Kind, selbst wenn es eine Betreuungseinrichtung besucht.

Dieses Fundament legen Sie durch verlässliche, klare Strukturen / Wegweiser, die man auch unter dem Namen, Regeln, Grenzen, Konsequenzen kennt.

Die Flügel, die Freiheiten, die mit zunehmendem Alter folgen, können dann von den Kindern und Jugendlichen verantwortlich genutzt werden.

In Gesprächen über dieses Thema ist immer deutlich zu erkennen, dass eine große Unsicherheit darüber besteht, was denn "richtiges" Verhalten von uns Erwachsenen ist, wenn unsere lieben Kleinen mal wieder bocken, zornig sind, ihren Kopf durchsetzen wollen und uns Eltern teilweise damit tatsächlich überfordern.

Patentrezepte gibt es nicht! - Dazu sind die jeweiligen Persönlichkeiten, sowohl der Kinder, als auch der Erwachsenen zu unterschiedlich. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, die man nutzen kann, um diese Phasen und Situationen gelassener sehen, besser verstehen zu können und evtl. leichter in den Griff zu bekommen.

Die Begriffe, Regeln, Grenzen, Konsequenzen sind leider in unserer Zeit sehr negativ behaftet. Jeder denkt dabei an unfaire Einschränkung, unangemessene Machtausübung, rigide Beschneidung von Interessen und Bedürfnissen, sowie ungerechte Strafe. Daraus resultiert häufig die Befürchtung, dass dies dazu führt, dass das Kind uns nicht mehr mag.

Daraus folgt leider oftmals, dass wir als Erwachsene halbherzige, widersprüchliche, und unklare Hinweise und Verhaltensweisen zeigen. Diese sind jedoch für Kinder, je jünger sie sind, keine sicheren Wegweiser für GEWÜNSCHTES  Verhalten.

Gerade die Befürchtung, dass Ihr Kind Sie nicht mehr mag, ist nach einer 12 jährigen Forschungsstudie an der Universität von Queensland (Australien), die sich mit Erziehungsstilen auseinandergesetzt hat, unter anderem mehrfach untersucht worden.

Ergebnis dieser Studie ist, dass gerade Eltern:

  • die eher Laissezfaire erziehen (viel durchgehen lassen, kaum einmal einschränken, Bedürfnisse schnell erfüllen und ein "Nein" schnell  zu einem "Ja" werden lassen)
  • die nach ihrem aktuellen Befinden handeln (wenn es ihnen gut geht, dann lassen sie viel durchgehen / wenn es ihnen schlecht geht, handeln sie oft unangemessen scharf)
  • die sehr Autoritär handeln (rigide Regeln aufstellen und diese ebenso streng durchsetzen; nur Forderungen der Eltern zählen; beschämende Äußerungen anwenden; ihre Macht oft körperlich einsetzen)

von ihren Kindern:

  • als desinteressiert erlebt werden und das Gefühl haben, den Eltern ist egal was sie machen - „Die mögen mich nicht, ihnen ist egal was ich tue.“
  • bald nicht mehr ernst genommen werden
  • öfter deutlich unangemessenes Verhalten erleben  (jammern, toben, schreien, hauen, trotzen..)
  • als unsicher, unfair und unfähig eingestuft werden und die Kinder sich selbst schnell als unsicher und unfähig empfinden
  • bald als kompetente Erziehungspartner abgelehnt werden und eher dazu neigen, später anderswo diese Regel- und Grenzerfahrungen zu suchen, z.B. in ungünstigen Gruppierungen und bedenklichen Freundeskreisen – denn komischerweise sind dort oft sehr strenge, hierarchische Strukturen gegeben, die die Kinder und vor allem Jugendliche gerne akzeptieren. Neueste bedenkliche Meldung dazu, am 25.10.14 in den 10:00 Uhr Nachrichten, Bayern 3 - Immer mehr Jugendliche fühlen sich zu den Salafisten hingezogen, wobei ihre eigene Begründung dazu lautet, dass es hier klare, nachvollziehbare Regeln und Vorgaben gäbe!!!

Woran liegt das? Nun, hier weiß jeder, woran er ist und was sein wird, wenn diese Regeln gebrochen werden.

Die Studie aus Queensland zeigt  DEUTLICH – Kinder brauchen und wollen Erwachsene:

  • die ihnen wohlwollend, jedoch klar Wege aufzeigen
  • und die mit zunehmendem Alter immer mehr Freiheiten zulassen. (siehe "Montessori, das ist doch die Pädagogik in der Kinder alles dürfen!?").

Kinder kommen mit Bedürfnissen zur Welt, nicht mit einem Weltbild – sie lernen erst, wie es hier bei uns so läuft. Anfangs stehen wichtige und überlebensnotwendige Bedürfnisse im Vordergrund und nicht Spielregeln des Zusammenlebens. Hunger, Zuwendung, Schlafbedürfnis müssen innerhalb des ersten Lebensjahres schnell befriedigt werden, damit das Kind eine sog. Grundsicherheit erlangt, eine gute Eltern-Kind-Bindung entsteht - das Urvertrauen. Bereits bei Babys kann man beobachten, dass sie Grenzerfahrungen suchen - hier noch deutlich körperlich spürbare. Sie wollen irgendwo Kontakt, wollen eine Grenze spüren. Darum bietet man oft eine kuschelige kleinere Wiege / im Kinderbett ein "Nestchen" (Einlage im Bett, um es zu verkleinern) / trägt das Kind eng an den Körper gebunden ... .

Die Bildungs- und Entwicklungsforschung weist jedoch deutlich darauf hin dass, sobald ein Kind zu robben, zu krabbeln anfängt (also der Zeitpunkt gekommen ist, ihm mehr und mehr zu zeigen), auch andere Menschen berechtigte Bedürfnisse haben. Jetzt werden Regeln und Grenzen wichtig und notwendig - vor allem im Hinblick auf die Sicherheit. Mit der zunehmenden Mobilität des Kindes steigt z.B. in jedem Fall das Unfallrisiko. Die ersten Grenzerfahrungen sind oftmals recht harte Maßnahmen, wie ein Laufgitter, der Gurt im Kinderwagen, falsch herum angeschraubte Türgriffe... Hier fällt es uns leicht, das Kind klar durch unser Handeln, ohne große Diskussion zu reglementieren und einzugrenzen. Hier denken wir nicht daran, dass wir vielleicht zu streng sind, unsere Macht ausnutzen, das Kind einengen usw. - denn hier geht es evtl. um Leib und Leben.

 

Beispiele: heiße Herdplatten, laufen auf die Fahrbahn, Alkohol, Zigaretten...

Alle verantworungsvollen, liebevollen, behütenden und sogar freizügigeren Eltern werden hier "streng" darauf achten, dass das Kind hört, auf das was sie sagen / etwas verbieten usw. Ohne lange nachzudenken, wird das Kind evtl. sogar mit festem Griff zurückgehalten / wir werden laut, damit es reagiert / wir nehmen es weg, ohne große Diskussion und ertragen das prostestierende Geschrei. Hier fällt es uns leicht, deutliche Signale zu setzen, die dem Kind klar machen - "Das will ich nicht, das dulde ich nicht!" - denn hier können tatsächlich schwerwiegende gesundheitliche Gefahren entstehen.

Ein Kind besteht jedoch nicht nur aus Körper - auch die seelische, geistige und soziale Gesundheit und Ausreifung ist enorm wichtig. Es gehört alles zu einer gesunden Entwicklung eines Menschen. Nur dann bildet sich eine ausgeglichene selbstsichere, teamfähige Persönlichkeit heran. Dies sind alles wichtige Werte, die in unserer Gesellschaft erwünscht und spätestens in der Schule und im Beruf erwartet werden.

Kinder wollen von sich aus Regeln:

  • das zeigen oft Fragen wie: „Gell, das darf man nicht?“
  • was sich beim "Petzen" zeigt - „Der/ die hat ... den / die  … gehaut“ - nach dem Motto: "Tu was Thea, das geht doch so nicht."
  • Kinder fordern sie ein, stellen selbst welche auf, z.B. bei ihren Rollenspielen. Es wird genau bestimmt, wer was für eine Rolle spielt, was man dabei darf und nicht, z.B. als Tiger im Zirkus - "Aber nicht echt beißen und kratzen, bloß so, gell."
  • und sie achten sehr genau darauf, dass abgesprochene Regeln eingehalten werden – im Turnraum, bei Tischspielen, beim Esstisch
  • und wichtige Regeln gibt es bei jedem Mannschaftsspiel: Fußball, Handball ... -  und sogar dann, wenn die Gegner durch ein Netz getrennt sind, etwa beim Tennis, ...
  • Regeln sind unerlässlich bei  jedem Wettkampfsport: Judo, Ringen.... - nur dann ist es gut und fair für alle
  • und Kinder lieben deshalb Märchen (das Gute siegt) oder Erzählungen, wo der Gute gewinnt, etwa bei Wickie, denn Sven der Böse verliert immer – so ist es und so ist es gut für Kinder. Für sie ist das ein klarer Weg, vor allem im Alter von 0 bis 6 Jahren.

 

Damit uns Eltern das schlechte Gewissen weniger plagt, weil wir Regeln und Grenzen bieten sollten,  ist es uns hier wichtig anzuschauen weshalb diese, sowie deren Umsetzung - also wohlüberlegtes Einhalt gebieten, mit nachvollziehbaren fairen Konsequenzen, sinnvoll sind:

 

  • bieten Sicherheit und Schutz
    Wenn Regeln und Grenzen mit dem Schutz von Leib und Leben einhergehen, fällt es uns immer leicht, konsequent zu sein und zu handeln. Hier denken wir nicht lange darüber nach, ob wir zu streng sind.  Wir halten das Kind zurück oder ganz fest. Wir werden auch mal lauter und lassen uns weder durch Geschrei, noch durch Betteln erweichen, z.B. heiße Herdplatten nicht anfassen, auf dem Gehweg bleiben müssen, sich im Auto anschnallen...
  • helfen dem Kind dabei, zu erfahren, was erlaubt und o.K. ist und bilden die Persönlichkeit
    Regeln sind wichtige Reibungsflächen, um sich weiterzuentwickeln, um die eigenen Fähigkeiten auszuloten, seine Persönlichkeit auszubilden und ein gesundes Selbstvertrauen zu entwickeln.

Untersuchungen belegen, je mehr ein Kind austestet, desto mehr zeigt es, dass ihm zu wenig klare Grenzen angeboten werden. Es ist eher ein Hilferuf nach mehr, als nach weniger!!!

Kinder fordern diese Strukturen mit ihrem oft unerwünschten Verhalten sehr nachdrücklich ein - weil wir sie ihnen zu lange vorenthalten.

Kinder dürfen zu Recht von uns Erwachsenen Orientierung und Halt erwarten, nach dem Motto: „Jetzt reagier halt mal, und sag was Sache ist.“ Oft wollen die Kinder gar keine langen Erklärungen, ein einfaches „Darum“ ist deshalb manchmal die Lösung. Vor allem wenn es um Dinge geht, die immer und immer wieder zur gleichen Diskussionen führen (und das, so lange dieses einfache "Darum!" nicht die Standardantwort ist).  Bieten Sie als Erziehende volle Zuwendung und sinnvolle Spracherziehung in anderen Situationen an, nicht beim Diskutieren von Regeln. Kinder lernen schnell, dass sie gewinnen, wenn sie nur den längeren Atem haben. Egal ob mit Worten, Jammern, Toben usw. -  Kinder haben oft einen sehr langen Atem!

  • schaffen klare Verhältnisse, sorgen für Gerechtigkeit und einen fairen Umgang miteinander
    „Bei der Rutschbahn stellen wir uns an, ohne zu drängeln und zu schubsen.“ So haben auch die Kleinen eine Chance dran zu kommen und alles ist weniger gefährlich. Wir nehmen den anderen nichts weg, nur weil der Ältere, der Stärkere etwas jetzt - und zwar gleich  haben will. Meist ist es gar nicht mehr interessant, wenn er/ sie es dann hat! Kinder sagen selbst sehr schlau zu den anderen, was man darf und nicht - was jedoch nicht unbedingt bedeutet, dass sie sich selbst daran halten.
  • bereiten Schritt für Schritt auf das Leben vor und erleichtern sowohl den Eltern, als auch anderen Personen mit denen das Kind zu tun hat, auf Dauer den Umgang 
    Es erspart immer wiederkehrende, unnötige, zeitraubende Diskussionen, wenn gewisse Dinge klar und deutlich geregelt sind.  Die Zeit habe ich dann für die angenehmen Dinge mit meinem Kind! Oder auch mal für mich. Dieses Recht haben Sie gerade als fürsorgliche(r) Mama / Papa. Nur wenn es Ihnen gut geht, geht es auch Ihrem Kind gut. Achten Sie zudem auf sich als Paar. Wir sind nicht Kind - so wie in der Schlagzeile "Wir sind Papst."
  • bieten Verlässlichkeit und Halt, geben Geborgenheit und zeigen das tatsächliche Interesse am Kind
    " DU bist mir wichtig." Ich setze mich mit dir auseinander, im Guten wie im Stressigen. - „Weil ich dich so lieb habe, sage ich auch immer wieder mal Nein.“ Nicht, weil ich willkürlich und unangemessen meine Macht als Erwachsener ausleben und demonstrieren will. Das Kind muss merken: Auf das Wort des Erwachsenen kann und darf ich mich verlassen. Ich darf glauben was Mama / Papa sagen. Diese Glaubwürdigkeit verlieren Sie mit der Zeit, wenn Sie eine Absprache immer wieder brechen – sowohl im Positiven (versprechen, Eis essen zu gehen und dann nicht einhalten), als auch im Negativen, also eine z.B. angekündigte Konsequenz nicht umsetzen!!! Eine Befragung in einer Jugendvollzugsanstalt ergab auf die Frage, an welche Regeln, Grenzen und Konsequenzen sie sich von zu Hause erinnern: „Keine, meinen Alten war egal was ich mache und mit wem. Die wollten bloß ihre Ruhe.“
  • bieten Orientierung und zeigen Wege auf
    Kann ich immer nur an mich denken? (als Baby  wichtig für die Entwicklung – siehe Anfang) Was ist mit den Bedürfnissen anderer – auch Ihnen als Eltern? Wie geht die Schule, die Lehrstelle damit um? Es ist wichtig immer wieder daran zu denken, was das mit unseren Kindern für die Zukunft macht. Sie werden immer mehr außerhalb der Familie zurechtkommen müssen und in ein soziales Netzwerk eingebunden sein - und Wege aufzeigen heißt letztendlich noch lange nicht, dass genau dieser Weg eingeschlagen werden muss. Mit zunehmendem Alter werden die Kinder selbst entscheiden und Verantwortung übernehmen müssen.
  • trainieren die sog. Frustrationstoleranz
    Etwas aushalten können, ein „Nein“ ertragen können, tun, was von anderen vorgegeben wird (nicht gleichbedeutend mit "buckeln vor der Obrigkeit!!"). Das war das große Thema beim Elternabend 2013 für alle Eltern der Einschulungskinder an der Pestalozzischule in Sulzbach-Rosenberg!!! Die "Neins" im jetzigen Alter sind ja noch gar nicht besonders einschneidend, sondern sollen helfen, damit es später, bei ganz wichtigen "Neins" noch funktioniert. Ist es realistisch, dass meine Wünsche und Bedürfnisse auf Dauer im Mittelpunkt stehen? Kann ich immer sofort und überall alles haben was ich will, und wie ich es will? Wie stehe ich spätestens in der Schule da, wenn ich meinen Willen mit aggressivem Verhalten, Jammern, immer gleichen Diskussionen…. durchsetzen will?
  • bilden gesellschaftlich notwendige demokratische Werte und Normen aus und ermöglichen einen Austausch darüber
    Regeln und Grenzen geben Richtlinien, wie das Zusammenleben funktioniert. Die Kinder lernen Rücksichtnahme und Achtung anderer Bedürfnisse, wie z.B. nicht weh tun / Eigentum achten / Anschauungen, Vorstellungen, Meinungen zu akzeptieren. Das ist  in unserer Welt, die immer vernetzter und multikultureller wird sehr wichtig.

Das tägliche Miteinander ist wesentlich freundlicher, friedvoller und angenehmer. Es erleichtert den Umgang mit anderen Menschen und macht beliebter, wenn ich mich in einem gewissen Maße zu benehmen weiß. Die Kontaktaufnahme zu anderen wird erleichtert.

Man wird selbst eher wertgeschätzt, ernst genommen und nicht verlacht.

Kinder, die mit vernünftigen Strukturen aufgewachsen sind,  werden teamfähiger und stehen weniger Abseits. Sie werden deutlich weniger schnell in eine falsche Schublade gesteckt, haben signifikant mehr Chancen in Schule und Beruf und geraten weniger schnell auf die schiefe Bahn.

Sinnvolle Regeln und Grenzen helfen, damit unsere demokratische Gesellschaftsform auch noch in 20 Jahren funktioniert. Mit zunehmendem Alter treten andere Vorbilder in den Vordergrund – schon deshalb ist es in jungen Jahren wichtig, gute Werte und Normen zu erfahren, damit die schlechten später weniger Chancen haben.

  • wirken sich positiv auf das Lernen aus!!! 
    Eine noch neuere Studie, die sog. Hattie-Studie (John Hattie, neuseeländischer Bildungsforscher) zeigt, dass Kinder, die in einem Rahmen erzogen wurden, innerhalb dessen klare und transparente Verhaltensmaßstäbe gelten, deutlich bessere schulische Leistungen erzielen, dass sich das auf das Lernverhalten, die Leistungsbereitschaft und vor allem die sozialen Kompetenzen äußerst positiv auswirkt. Somit legen Sie also auch einen wertvollen Grundstock für eine gute Schullaufbahn.

 

Der neue Begriff, der sich für eine mit Regeln und Grenzen umrahmte Erziehung ausspricht, eine sog. Verhaltenslandkarte vorgibt (ein schöner Begriff, was meinen Sie?) der lautet:

Autoritative Erziehung

In dieser Erziehungsform unterscheidet man sehr genau zwischen Strafe und Konsequenz.

   STRAFE  

KONSEQUENZ

  • häufig willkürliche Maßnahme
  • logische Folge, die im nachvollziehbaren Zusammenhang  mit einer vorher aufgestellten Regel steht
  • oft unverständlich für das Kind
  • immer auf die Angelegenheit bezogen / fair, weil sie im Zusammenhang mit der Tat steht
  • wird als beschämend erlebt
  • ärgerlich, jedoch verständlich für das Kind
  • häufig drastisch (laut / körperlich / ...)
  • unspektakulär (war ja so angekündigt, also bekannt)
  • nachtragend (wird immer wieder vorgehalten): "...du immer..." / " ... schon wieder..."
  • nach Konsequenz / Aussprache ist es erledigt > es wird zur Tagesordnung übergegangen - die Kontaktaufnahme sollte vom Erwachsenen ausgehen
  • Androhung, mit Verschieben auf später ("Warte nur, bis Vater / Nikolaus...  kommt")
  • erfolgt zeitnah zur "Tat" / keine Erziehungshelfer (wie Christkind, Erzieherin, Lehrer, ...)
  • eher gemütsgesteuert
  • überlegte, ruhige Handlung - eigene Gemütsverfassung unter Kontrolle (jedoch ehrliche und authentische Reaktion / Aussage)

 

Beispiele:

  • "Wenn du den Fernseher nicht ausmachst, bekommst du 2 Wochen Hausarrest (darfst du nicht mehr zum Reiten, ins Fußballtraining...)!
  • "Jedes mal ist das so ein Zirkus. Immer muss ich alles 5x sagen. Dauernd ärgerst du mich so!"
  • "Wenn du jetzt nicht aufisst, bekommst du nichts mehr zu essen!"
  • "Wenn du jetzt nicht kommst, fahre ich allein!"
  • "Wenn du nicht mit Naschen aufhörst, wirst schon sehen was der Papa macht wenn er heimkommt!"
  • "Wart nur, der Nikolaus bringt diesmal gar nichts, höchstens die Rute!"

Hier ist erkennbar, dass es sich um Strafe und nicht um eine logische Konsequenz handelt.

Die "Tat", das Verhalten, steht in keinem Zusammenhang mit der vermeintlich angedrohten Konsequenz, vor allem weil:

  • kein Elternteil solche Androhungen tatsächlich umsetzen kann oder will, z.B. 2 Wochen Hausarrest - oft ist dies gar nicht möglich bei den heutigen Terminen die Kinder so haben und man schneidet sich ins eigene Fleisch, weil die Stunden dafür trotzdem gezahlt werden müssen. Ein kleines Kind kann auch in keinem Fall allein zu Hause gelassen werden, wenn Sie zum Einkaufen fahren müssen.
  • Verallgemeinerungen und gemütsgesteuerte, nachtragende Aussagen verletzend sind und so tatsächlich nicht zutreffen. Niemand macht etwas "jedes mal", "immer".
  • Drohungen dabei sind, die die Kinder verängstigen, den gesamten Tag vermiesen und nicht unbedingt dazu führen, was man sich als Mama erwartet hat, z.B. weil der Papa später heimkommt und das Kind schon schläft, weil er gar keine Lust hat, gleich nach dem Heimkommen den Buhmann zu spielen, oder er das Geschehene ganz anders sieht - oder die Mama hat es bis dahin sowieso vergessen. Der Nikolaus als Erziehungshelfer mit Rute sollte ausgedient haben, denn der Nikolaus ist der Legende nach ein Helfer und besonderer Beschützer der Kinder (nicht zu verwechseln mit dem Knecht Ruprecht oder Krampus). Außerdem nützt es wohl wenig, wenn er erst 4 Wochen später kommt und die Großeltern oder die Paten in jedem Fall ein Geschenk von "ihm" bringen lassen.

Je öfter Ihr Kind solche Reaktionen erfährt, oder haltlose Drohungen hört, desto schneller wird es dies durchschauen und:

  • merken, dass es leere Drohungen sind, die sowieso nicht umgesetzt werden
  • dazu führen, dass Ihr Kind Sie gegeneinander ausspielt
  • Sie selbst und ihre Absprachen bald nicht mehr ernst nehmen
  • immer öfter versuchen, Regeln und Grenzen zu umgehen

Logische Konsequenzen wären z.B.:

  • "Mach den Fernseher jetzt aus. Die abgesprochene Fernsehzeit mit deiner Sendung ist um. Du kannst sonst morgen / später deinen anderen Film nicht ansehen." 

Natürlich muss im Vorfeld eine klare, jedoch kompromissbereite Absprache mit dem Kind geführt worden sein. Es ist in jedem Fall abhängig vom Alter des Kindes. Es kostet Zeit und Zuwendung. Diese Investition wird sich auszahlen, da Ihr Kind merkt, dass es ein gewisses Mitspracherecht hat und mit entscheiden darf (nicht absolut alles bestimmen). Kinder akzeptieren dann viel eher die Absprachen und halten sich daran. Vor allem können Sie bei Problemen den Spielball an das Kind zurückgeben und ihm sagen, dass es selbst so mit entschieden hat.

Sie sollten sich natürlich als gutes Vorbild (bei Absprachen egal welcher Art) ebenso daran halten. Sollte eine längere Fernsehzeit hin und wieder erlaubt sein, muss diese klar als solche benannt werden. "Heute AUSNAHMSWEISE, weil ich weiß, wie sehr du Delfine magst und ein längerer Film dazu kommt."

Achten Sie jedoch unbedingt darauf, dass dies nicht immer wieder einfach so geschieht, weil Ihr Kind gar so nett bettelt / Sie evtl. ihre Ruhe haben wollen / noch schnell etwas fertig machen wollen o.a.   Es kostet Anfangs sicher Mühe, denn es muss überprüft werden. Je konsequenter bei solch kleinen Regeln darauf geachtet wird, umso eher gelingt es, dies auf andere Dinge zu übertragen. Ihr Kind merkt, dass es Ihnen ernst ist und dass es sich auf Ihre Aussage verlassen kann.

  • "Ich ärgere mich, wenn ich alles 5x sagen muss. Wir hatten es zusammen anders besprochen und du warst damit einverstanden." - in sachlichem, ruhigen Ton. 

Das sollte natürlich so gewesen sein, ansonsten sollte man sich zusammensetzen - vor allem weil es bei solchen Aussagen oft um ein immer wiederkehrendes, unerwünschte Verhalten geht. Außerdem senden Sie damit eine sog. "ICH - Botschaft" und äußern Ihr Gefühl sachlich. Dies wird in der Regel vom Gegenüber besser aufgenommen, als ein Angriff mit "DU".

  • "Ich meine du bist satt, du isst ja gar nichts (mehr). Wenn du satt bist, brauchst du nicht aufzuessen. Du weißt ja, dass wir erst am Abend (zum Frühstück) wieder das nächstemal etwas zusammen essen."

Narürlich  sollten die Portionen so bemessen sein, dass es das Kind schaffen kann. Vielleicht muss ja der ungeliebte Spinat nicht mit auf den Teller.  Evtl. kann das Kind die Portion, die es meint essen zu können selbst nehmen. 

Natürlich gibt es nichts beim Bäcker während des  Einkaufs, wenn Sie Ihre Aussage, wie oben getroffen haben. Stellen Sie sich auf die nächste Herausforderung ein! Ein Besuch  bei der Oma oder einer Freundin sollte nicht unbedingt anstehen, denn dort wird es schwierig sein, konsequent zu bleiben.

Es ist übrigens kein Fall bekannt, bei dem ein  Kind, das verantwortungsvolle Eltern hat verhungert ist, auch wenn mal eine Mahlzeit fehlt. Je mehr Sie bei solch kleinen Dingen standhaft bleiben, umso weniger wird Ihr Kind Sie in anderen Bereichen immer wieder austesten.

Wenn Sie mehr Beispiele nachlesen möchten, finden Sie noch einige ganz am Ende dieser Ausführungen:

  • Zähne puten
  • Aufräumen
  • Essen
  • Zorn beim Einkauf
  • An - Ausziehen

 

 

Es gibt also, wie die Beispiele zeigen, Hilfen für Kinder und Erwachsene, damit es leichter fällt, wichtige Strukturen vorzugeben und diese gegebenenfalls umzusetzen und durchzuhalten:

  • ohne die Würde des Kindes zu verletzen
  • jedoch klar zu machen, wer die Fäden, zum Wohle aller, in der Hand hält.

Trauen Sie einfach Ihrem ganz natürlichen Bauchgefühl. Wir werden zunehmend verkopfter, so dass wir kaum noch echt und ehrlich reagieren. Das Einzige was Sie beachten sollten ist, sich nicht  zu Handgreiflichkeiten, verletzenden Bemerkungen oder langanhaltendem Liebesentzug herabzulassen.

Im Folgenden finden Sie einige Ideen, wie es Ihnen leichter fallen kann Regeln, Grenzen und Konsequenzen umzusetzen.

Grundsätzlich ist immer auf Alter und Entwicklungsstand zu achten. Das Regelverständnis entwickelt sich erst nach und nach, deshalb:

 

  • viel gute Zeit MIT dem Kind verbringen
    NICHT > FÜR das Kind etwas tun, sondern, so oft es geht etwas zusammen > MIT dem Kind  machen. Das festigt die Bindung  zusätzlich, die im Babyalter geknüpft wurde, also:

    MIT ihrem Kind,  z.B. Kuchen backen, nicht für das Kind backen, weil es ihn sich wünscht.

    Zusammen eine beliebte Sendung anschauen, dann erfahren Sie, weshalb sie Ihrem Kind so gefällt und Sie können Unverständliches, Angst machendes klären.

    MIT Ihrem Kind,  nicht für ihr Kind aufräumen,  dann können Sie ganz nebenbei sinnvolle Spracherziehung einbauen und spielerisch Wissen vermitteln. Farbnamen / Autonamen / Kleidungsstücke / Groß-Klein; Dick-Dünn / Präpsitionen spielerisch üben (die letzten drei Beispiele sind z.B. sehr wichtig für die Bildung mathematischen Denkens!!!) / Dinonamen (manchmal lernen Sie noch etwas von Ihrem Kind, weil es sich die Dinosauriernamen meist viel besser merken kann als Sie). Sie freuen sich doch ebenso, wenn Ihnen jemand bei der Arbeit hilft, auch wenn er sie nicht verursacht hat. Ihr Kind lernt damit, was Hilfsbereitschaft bedeutet, denn es erfährt Sie am eigenen Leib.

    Zusammen Spielen, nicht erwarten, dass das Kind viel alleine spielt. Die Zeit, in der Ihr Kind es gerne mit Ihnen zusammen machen möchte, geht schneller vorbei als sie denken. Das heißt nicht, dass Sie ständig der Animateur für Ihr Kind sein sollen. Lassen Sie sich auf seine Ideen ein, halten Sie auch mal Langeweile zusammen aus. Nur daraus entwickeln sich oft erst gute neue Ideen.

    Gemeinsam Singen, Bücher anschauen....
  1. Achten Sie dabei darauf, dass Sie dann wirklich nur für Ihr Kind da sind! Handy oder nebenbei was lesen, schreiben.... ist dann  bitte zurückgestellt!
  2. Lieber kürzer und volle Aufmerksamkeit und Zuwendung, als lange Zeit mit ständigen Unterbrechungen und Ablenkungen - also Qualität vor Quantität.  Dann haben Sie danach Zeit für Ihre Sachen und es gibt weniger Durcheinander für Sie und Ihr Kind. Das verringert Konflikte deutlich.

     
  • klar, knapp, ruhig, authentisch reden und handeln
    Weniger Reden ist mehr - auf ein permanentes „Warum?“ das schon vielfach erklärt wurde, darf ohne schlechtes Gewissen einfach mal ein „Darum“ folgen. Manche Kinder sind dann so perplex, dass es wirklich (erst einmal) gut ist. Manche Dinge sind so wie sie sind, auch wenn sie 100x diskutiert werden.

Bleiben Sie ruhig, denn wenn Sie schon laut anfangen bleibt kaum noch eine Steigerung, bzw. neigt man leicht zur Überreaktion (Brüllen, Toben). Stimmt Mimik und Körperhaltung, dann merkt Ihr Kind (ohne dass Sie übermäßig laut sind), dass es ernst gemeint ist. Manchmal genügt schon ein (echter) Blick, denn die meisten Kinder wissen spätestens ab ca. 1,5 Jahren, was o.K. ist und was nicht, natürlich, wenn man es ihnen schon erklärt hat.

Achten Sie auf die wichtige Spracherziehung in allen anderen Alltagssituationen, nicht während eines Konfliktes – erstens, kommt es eh nicht an und zweitens, ist die Sprachfähigkeit meist schon mehr als ausgereift, wenn es Ihrem Kind gelingt immer wieder „ABER“ und Gegenargumente zu bringen.  Beispiel für eine klare Aussage: „Ein Spiel am PC – Nicht: ein bisschen am PC spielen.“

 

  • sich selbst klar machen, wann solche Phasen bevorzugt auftreten
    Überlegen Sie weshalb gerade zu bestimmten Zeiten der Konflikt auftritt. Hatten Sie etwas zugesagt, z.B. dass Sie ein Spiel mit  machen - dann klingelt das Telefon und die Freundin ist dran. Eine gute Freundin versteht, wenn Sie ihr sagen, dass Sie zurückrufen.

Sie dürfen ein Telefon auch klingeln lassen,  es hört wieder auf. Das Display zeigt an, wer es war. Ein Rückruf ist später möglich.

Welches Vorbild geben Sie Ihrem Kind, wenn Sie für Andere immer mehr Zeit haben, als für das Wertvollste in Ihrer Familie?

- Wie könnten Sie reagieren, wenn es um Dinge geht, die immer wieder passieren? Sagen Sie Ihrem Kind schon vorab, was sein wird wenn...., etwa: "Weil es mich ärgert, traurig macht, wenn ich so oft sagen muss ....." Machen Sie klar, dass Sie das so nicht wollen. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, weshalb es Sie ärgert und suchen Sie einen Vergleich, der sich auf Ihr Kind bezieht, z.B. "Es ärgert mich, wenn ich beim Telefonieren so häufig gestört werde. Ich kann nicht richtig hören, was der Andere mir sagen will und es dauert viel länger. Das ist so, wie wenn ich dich 5x etwas frage, während du deine Lieblings-CD anhörst."

- Vielleicht geht es Ihrem Kind nicht gut, ist es krank oder müde? Dann sollte es ins Bett, oder die Nähe zu Mama / Papa haben, jedoch nicht übertriebene Zuwendung bekommen. VORSICHT - Krankheit sollte kein Mittel für ein Kind sein müssen, um Zuwendung zu bekommen  – diese muss regelmäßig gegeben sein, auch wenn das Kind gesund ist.

- Wie geht es Ihnen gerade, wenn der Konflikt anfängt aufzubrechen? Reflektieren Sie, ob dieses Problem besonders dann auftaucht, wenn es Ihnen nicht gut geht, oder vielleicht wenn es Ihnen besonders gut geht – Kinder haben dafür eine sehr feine Antenne und nutzen es.
 

Konsequenzen sollten nicht nur zu Hause, wenn Sie mit dem Kind alleine sind umgesetzt werden können. Vor allem bei sehr hartnäckigen Kindern ist es hilfreich, wenn Sie höchsten zwei oder drei Sachen, die nur zu Hause zutreffen konsequent umsetzen. Möglicherweise brauchen Sie Anfangs besonders viel Geduld dabei. Der lange Atem zahlt sich zunehmend mehr aus, da er in andere Bereiche hineinwirkt.

- Machen Sie sich Gedanken, wie es gar nicht erst zum Konflikt kommt - Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! Beim Essen gehen, z.B. Malsachen, kleines Spiel, Autos, Bilderbuch mitnehmen. Einer der mit dem Essen fertig ist, geht mit dem Kind zum Ball spielen hinaus oder schenkt ihm die volle Aufmerksamkeit beim Bücher ansehen. Vermeiden Sie es jedoch unbedingt Gameboy und Co bei Tisch zu erlauben (auch wenn es einfacher ist, um Ruhe zu haben - Weshalb? - das ist ein Thema für sich).

 

Achtung: Das heißt nicht, dass Sie Ihrem Kind, um einen Konflikt zu vermeiden,  alles durchgehen lassen, sondern  wie im Beispiel, Möglichkeiten zu schaffen, die auch für das Kind in Ordnung sind.

 

  • klare Botschaften senden / Ich - Botschaften - Wer verstanden werden will, muss verständlich sprechen.

Beispiel: „Meinst du nicht, dass du genug Süßes hattest?

Kind isst weiter. Etwas lauter: „Hast du mich gehört?“ Kind isst weiter. Eltern noch etwas lauter: „Findest du nicht, dass es jetzt wirklich genug ist?“ Dann werden die Sachen evtl. wütend aus der Hand gerissen - oder es wird nicht weiter gehandelt, sondern doch erlaubt.

Klarer wäre:  „Ich möchte, dass du jetzt mit dem Naschen aufhörst, du hast genug Süßes gegessen.“ "Ich möchte, dass du den Rest der Süßigkeiten in den Schrank zurückräumst. Morgen kannst du wieder eine Nachspeise haben." So ist für den nächsten Tag die Möglichkeit auf Naschen bereits angekündigt.  Bei nicht tun, sofort reagieren und ohne Zorn die Sachen wegräumen - und das Toben aushalten.

Hinter diesen Fragen (Beispiel oben) steht eine klare Vorstellung von uns Erwachsenen, was denn angebracht wäre. Wir setzen voraus, dass der Empfänger, das Kind, diese Botschaft schon richtig deutet. Um nicht gleich streng oder autoritär zu erscheinen, geben wir damit jedoch unklare Botschaften. In dem Fall  - Fragen.   Wir hoffen insgeheim, dass die Kinder schon vernünftig zustimmen und wir einen Konflikt vermeiden könnten.

Jede Frage lädt jedoch dazu ein,  „NEIN“ zu sagen, ganz anderer Meinung zu sein, oder ganz anders zu handeln als wir als Eltern es erwarten oder möchten.

Weiteres Beispiel: „Du sollst endlich deine Spielsachen aufräumen. Jedes Mal muss ich das 10 x sagen.“ Klarer wäre: „Ich möchte, dass die Spielsachen vom Boden weggeräumt werden, ich will saugen, wischen.“ (evtl.mithelfen, wenn es sehr viel ist; akzeptieren, wenn die Sachen auf den Tisch im Kinderzimmer geräumt sind; hilfreich sind schöne Kisten für die Sachen, evtl. mit Fotos an der Seite, was hineingehört; Kinder haben ein anderes Ordnungsempfinden, kann das für mich o.K. sein  / werden?)

Weiteres Beispiel: „Schrei nicht so rum.“ (meist als Erwachsener selbst sehr laut). Klarer wäre: „Sprich bitte leiser, ich kann dich auch dann noch gut verstehen.“ Hilfreich ist dabei, wenn selbst bewusst leiser gesprochen wird.

 

Sobald Ihr Kind zu krabbeln beginnt, sollten Sie unbedingt vermeiden weiter in Babysprache mit ihm zu kommunizieren!! Dies trägt deutlich  positiv zur seelischen, geistigen und sozialen Entwicklung bei. Vor allem jedoch, regt es die Sprechfähigkeit und das eigene Sprechen lernen auf beste Weise an und ermöglicht klare Aussagen.

Weiteres Beispiel: Ihre Mimik und Körperhaltung muss stimmig sein. Kein Säuselton: „Ach Schatzi, jetzt hau halt die Mama nicht immer, das macht Aua. Komm jetzt hör doch auf. Das tut der Mama doch weh! Mein Liebling, jetzt habe ich dich schon 5x gebeten die Mama nicht zu hauen, haha, das ist doch nicht nett.“

Haben Sie Ihr Kind dabei auf dem Arm wenn es um sich haut, kratzt...., stellen oder setzen Sie es sofort ab. Sagen Sie deutlich, wie Sie es wohl ohne Bedenken zu einer anderen Person sagen würden: „Aua, das tut mir weh, hör auf!“

Ihr kleines Kind braucht klare Aussagen, deutlich erkannbares Mienenspiel, um zu erkennen, was Ernst und was Spass ist. Wie soll es tatsächlich erkennen, dass es nicht hauen soll, wenn dabei gelacht wird und freundlich gesprochen wird? Das tun wir doch in der Regel nur,  wenn uns etwas sehr angenehm ist und uns gefällt. Ihr Kind kann in diesem Altern nicht unterscheiden, ob jemand es aushalten kann, dass er gebissen oder gekratzt wird. Macht es das Anderen gegenüber, weil es von Ihnen eine falsche Botschaft erhalten hat, kann das sehr unangenehme Konsquenzen für Sie als Eltern haben.

 

  • Gelassenheit und Ruhe

Beispiel: Es gibt eine witzige Küchenwerbung: Eine tobende Tochter in der Küche, die Küchenschränke  zuknallt. Die Küchenschränke halten es aus, ist ja eine tolle Küche. UND die Eltern am Frühstückstisch halten es ebenso aus. Die Tochter bekommt trotzdem keine Erlaubnis, am Abend weg zu gehen.

Weiteres Beispiel: Neulich im Supermarkt: Ein Kind schmeißt sich bei der Kasse auf den Boden, weil es noch Schaumgummimäuse will und schreit herum. Die Mutter, trotz Schlange an der Kasse!!: „Ja, ich weiß, dass du die Mäuse gerne möchtest, doch du hast schon etwas ausgesucht. Wenn du fertig bist mit Boden putzen, gehen wir.“ Räumt den Einkauf in den Wagen, lässt das Kind weiter toben. Schiebt den Wagen am Kind vorbei. Kind steht auf und geht mit.

Das Kind hatte wohl schon öfter versucht auf diese Weise etwas zu erreichen. Probieren kann man es ja mal, vielleicht klappt es ja heute, vor so vielen Leuten! Es merkt jedoch nach Aussage der Mutter und deren Körpersprache schnell, dass sie standhaft bleibt, selbst wenn es für sie peinlich ist vor all den Leuten.

 

  • wenig Aufforderungen und abwarten, bis diese erfüllt sindehrliches  Loben:

Je jünger das Kind, umso weniger Aufforderungen auf einmal sollten Sie vorgeben.

NICHT:  „Zieh bitte die Schuhe aus, häng die Jacke auf, räum die Mütze weg, wasch die Hände und komm zum Essen.“

Klarer wäre:

„Zieh bitte die Schuhe aus.“ - WARTEN bis erledigt - ehrlich LOBEN „Das ging ja heute schnell.“

„Häng deine Jacke auf.“ WARTEN und LOBEN ...

„Wasch deine Hände, wir essen jetzt. "(nicht gleich).

„Komm zum Essen.“

 

  • alle guten Dinge sind DREI Sage es höchstens 2x, dann handle 1x, das bedeutet (siehe nächster Punkt)

 

  • entferne das Kind aus der Situation, oder die Situation vom Kind

Beispiel: Das Kind spielt immer wieder mit einer brennenden Kerze die als Tischdeko dient. Räumen Sie die Kerze nach zweimaliger Bitte, sie stehen zu lassen, aus der Reichweite des Kindes oder blasen sie diese aus.  Die Möglichkeit sie nach einiger Zeit / am  nächsten Tag wieder aufzustellen und anzuzünden wird dem Kind gesagt. Es geschieht jedesmal die gleiche Handlung, wenn das Kind es erneut macht. 

Weiteres Beispiel: In der KiTa im Turnraum:  Immer wieder tut ein Kind den Anderen absichtlich weh, indem es Bälle an den Kopf wirft. Nach zweimaliger Bitte es zu unterlassen, gibt es eine Turnraumpause. Nach einiger Zeit wird die Chance gegeben, erneut dort zu spielen. Die Regel wird vorher nochmal genau erklärt, die Folge bei Nichtbeachtung ebenfalls (ältere Kinder kann man das selbst formulieren lassen). Die Möglichkeit, bei angemessenem Verhalten wieder dort zu sein ist also immer wieder gegeben!

 

  • stehen Sie zu Ihrem Wort - habe Sie den längeren Atem - Kündigen Sie nur das an, was Sie wirklich umsetzen können und wollen!!  Halten Sie durch und nehmen Sie Ihre Elternrolle an. Gerade wenn das Kind tobt, jammert, weint, schön tut, bettelt. Es darf seine Gefühle zeigen, Gefühle sind wichtig und wertvoll! Nur die Art und Weise und der Grund dafür muss beobachtet werden. Nicht jedes Verhalten muss geduldet werden. Ihre gesamte Familie wird davon profitieren. Je konsequenter Sie das in nur zwei bis drei Dingen umsetzen, umso schneller wird Ihr Kind immer weniger Testversuche in anderen Bereichen machen. Ordnen Sie sich nicht allzu schnell den Ansprüchen des Kindes unter.

 

  • Verlange von deinem Kind den selben Respekt, die selbe Achtung, die auch du ihm gegenüber zeigst (Jesper Juul). - Was Sie sich von anderen nicht gefallen lassen würden, sollten Sie sich auch von Ihrem Kind nicht gefallen lassen - nach dem Motto: „Was du nicht willst, das man dir tu´, das füg´ auch keinem anderen zu.“.  Das gilt für beide Seiten, damit sich jeder gut fühlen kann. Dazu gehört klar zu machen: „Ich achte deine Gefühle! Ich dulde jedoch nicht jedes Verhalten.“ Du darfst alles fühlen und denken, nur nicht alles Tun. „Das, bzw. so möchte ich es nicht!“

 

  • sei Detektiv für das Positive - Wir haben die Tendenz eher das Negative zu sehen, darauf zu reagieren. Das Erwünschte nehmen wir allzu oft als selbstverständlich hin. Damit lenken wir jedoch die Aufmerksamkeit automatisch auf das unerwünschte Verhalten. Das führt eher zur Verstärkung desselben, denn das Kind hat die Aufmerksamkeit, egal wie - deshalb siehe nächster Punkt.

 

  • sprich positiv mit Lob, damit das Kind erfährt, was erwartet wird

Beispiel: „Danke Schatz, ich freu mich, dass du den Teller heute weggeräumt hast.“ Sprechen Sie Ihr Kind dabei direkt an, suchen Sie Blickkontakt: „Das hast DU gut gemacht.“ statt: „Das war jetzt gut.“ Kurz über den Kopf streicheln – netter Körperkontakt verstärkt das Gesagte.

Vor allem bei unerwünschtem Verhalten, bzw. wenn das Kind etwas tun soll, was es lieber vermeiden will, sollten Sie unbedingt auf Blickhöhe gehen. Suchen Sie den Blickkontakt und führen Sie zugleich eine spürbare Berührung an der Schulter, am Arm, am Bein aus - kein zerren, packen, schütteln....!!! Den Blickkontakt bekommen Sie manchmal sogar erst nach der Berührung.

Sagen Sie was Ihr Kind tun soll!

„Bleib auf dem Gehweg.“, statt:  „Lauf nicht auf die Straße“  (Na dann hüpf ich halt auf die Straße.) Bei Nichtbeachtung konsequent an der Hand führen. Evtl. wieder nach Hause gehen, wenn man auf dem Weg, z.B. zum Spielplatz ist. Klar sagen: „Ich habe Angst dir passiert etwas, wenn du immer wieder vom Gehweg gehst. Da gehen wir besser nach Hause."

„Setz dich bitte hin.“, statt:  „Hample nicht so rum.“

„Schmier nicht so rum.“, besser: „Iss mit dem Löffel.“

„Stell das Glas nicht an den Tischrand“ (evtl. bei leerem Glas zeigen was schnell passiert), besser: „Stell das Glas weit auf den Tisch.“ (Die Arme sind ja meist noch so kurz, dass es sowieso nicht so weit ist).

Bei neurobiologischen Untersuchungen wurde festgestellt, dass unser Gehirn das Wort „NICHT“ kaum wahrnimmt. Es wird eher einfach weggelassen. So wird häufig das genaue Gegenteil daraus. Ein Beispiel das Sie sicher kennen: „Denke nicht an einen blauen Elefanten.“ - genau das macht unser Gehirn jedoch. Ich hätte ebenso gut sagen können: „Denke an einen blauen Elefanten.“

Setzen Sie nonverbale Sprache ein: zulächeln, oder ernst blicken muss deutlich unterscheidbar sein; Daumen nach oben; kurzes Streicheln; Blickkontakt in Augenhöhe....

Sprachgewandten und älteren Kindern kann man die Regel, wenn sie umgangen wurde, selber in Worte fassen lassen. Zudem kann erfragt werden, ob es tatsächlich weiß, was bei Nichteinhaltung geschieht. Etwas selbst aussprechen, wirkt als Verstärker. Sie wissen dann sicher, dass Ihr Kind das Besprochene verstanden hat. Sehr vernünftige / verständige Kinder, kann man fragen, was sie tun würden, wenn dies oder jenes geschieht oder gemacht wurde. So gibt sich das Kind selbst seine  Konsequenz vor (geeignet für Kinder etwa ab 4,5 Jahren).

 

  • lassen Sie ihr Kind so oft es geht Entscheidungen treffen, die es wirklich treffen kann, dann akzeptiert es leichter, wenn auch Sie Entscheidungen vorgeben. Machen Sie bei einem schnell trotzigen Kind immer wieder verbal klar, dass Sie jetzt gerne das mitmachen, was das Kind möchte. Sagen Sie genauso klar, wenn es anders ist: „Heute / jetzt machen wir das was ich möchte / wie ich es möchte, gestern durftest du....“  Überlegen Sie vorher gut, ob Sie eine Entscheidung zulassen wollen oder können. Weshalb Entscheidungsfragen stellen, wenn es doch gar keine echte Entscheidungsmöglichkeit für Ihr Kind gibt? (Beispiel noch am Ende)

 

  • Gebrauche das Wort „NEIN“ wohldosiert, aber gebrauche es und bleib dabei - Auch hierbei muss Mimik und Gestik stimmen. Es darf kein überbeanspruchtes Wort werden, das beiläufig dahingesagt wird, dann aber nicht eingehalten wird.

Laut Prof. Gerald Hüther (Hirn- und Entwicklungsforscher), "wird so ein Nein, höchstens im Kurzzeitgedächtnis abgelegt und hält nicht länger als als max. vier Minuten." (Zitate aus Interview) und „Neins, die ohne emotionale Beteiligung und kleinkindsprachlich ausgesprochen werden, sind für Kinder nur leeres Geplapper!“

Ein Kind hat das Recht auf sichere und in sich gefestigte Erziehungspersonen, nach dem Motto: „Gib mir einen Rahmen vor, innerhalb dessen ich mich frei bewegen darf." Je jünger das Kind, je kleiner der Rahmen (auch im wörtlichen Sinn, z.B. durch Türgitter, Klemmschutz....). Ohne diesen fühlen sich Kinder nicht wohl. Sie müssen dann zwangsläufig probieren, wie weit sie gehen können.

Seien Sie verlässlich im „Guten“ wie auch im vermeintlich „Bösen“ - etwa wenn "Nein" gesagt wurde (auch wenn ich mich hinschmeiß, tobe und um mich schlage / wenn ich dich mit riesigen, verweinten Bettelaugen ansehe - es bleibt beim "Nein") – sonst werden Sie unglaubwürdig. Bei Ihrem Kind folgt: "Ich mache es dann einfach immer öfter und immer länger, denn ich weiß, dass du es nicht aushalten kannst." „Nein, das lasse ich nicht zu.“ - ist nichts anderes als ein Versprechen.  Wir verbinden es, aus welchen Gründen auch immer mit „Ich bin dann böse, zu streng, tue meinem Kind weh (es weint ja so!)“

 

  • Präsent sein, Zeitgefühl und vertieftes Spiel der Kinder achten  - Kinder ignorieren und überhören gerne unangenehme Dinge, weil sie gerade etwas Tun, was ihnen wichtiger ist. Wenn diese Aufforderung dann noch aus dem Hintergrund, z.B. dem anderen Raum kommt, ohne dass Blickkontakt hergestellt werden kann und schnell umgesetzt werden soll, können kleine Kinder gar nicht einschätzen, wie ernst dies gemeinst ist, oder ob es „gefahrlos“ überhört werden kann. Oft ist  ihre Aufmerksamkeit gerade auf etwas für sie Wichtiges fixiert. Sich auf etwas gut konzentrieren können ist z.B. eine wesentliche Fähigkeit die später in der Schule unbedingt vorhanden sein muss. Ihr Kind braucht hier Ihre Hilfe, um so reagieren zu können, wie Sie es erwarten.

Beispiele - Gerade bei Forderungen, bei denen Widerstand zu erwarten ist:

zum Kind gehen, es berühren und Blickkontakt herstellen, möglichst in Augenhöhe sein

klar und deutlich sagen, was erwartet wird, was getan werden soll. Wenn abzusehen ist, dass es eher zu Konflikten führt, sollte dem Kind lieber an diesem Tag , z.B. beim Anziehen geholfen werden. Sie sollten dann jedoch nicht zuvor verlangen, dass es dies selbst tun soll!
Beispiel: "Heute hab ich es eilig, ich helfe dir beim Anziehen." - nicht- vorher schon 5 x sagen: "Zieh dich an ich hab es eilig." obwohl das Kind gerade noch vertieft gespielt hat.

-  rechtzeitig sagen, wenn Sie erwarten, dass das Kind bis zu einem bestimmten Zeitpunkt selbst fertig ist. Für Kinder ist es schwierig, von jetzt auf gleich ohne Vorwarnung zu reagieren. Sie können nicht so schnell  umschalten, vor allem wenn sie mit Dingen beschäftigt sind, die ihnen am Herzen liegen. „Auf der Stelle hörst du auf zu spielen!“, „Komm sofort her.“, „Los jetzt, wir müssen.“ - hier sind Kinder, je jünger sie sind,  überfordert.

 

Niemand hat je behauptet, dass Erziehung einfach ist. Als Eltern haben wir jedoch eine wichtige Verantwortung, der sich niemand entziehen sollte.

Deshalb wieder der Appell - überlegen Sie als Eltern wie Sie Konflikte entschärfen können (nicht mit einfach durchgehen lassen), pädagogisch geschickt umgehen können, bzw. Ihre Aufforderungen anders stellen. Schalten Sie also die LieblingsCD gar nicht erst ein, wenn Sie am Morgen aus dem Haus müssen. Fangen Sie am Morgen keine Spiele an. Pflegen Sie ein geregeltes, stets gleiches Ritual  – aufstehen, anziehen, Frühstück, Brotzeit für die KiTa/ Schule wählen, Zähne putzen, fertig anziehen, gehen. Das erfordert natürlich vorab strukturiert zu planen. Das ist Aufgabe von uns als Eltern. Wie sonst sollen es Kinder lernen?

Hilfen: „Wenn der Wecker klingelt ziehen wir uns an – Kinder achten Signale manchmal besser als die Bitte der Eltern.

„In 10 Minuten essen wir." (kennt Uhr, oder wieder Wecker). "Mach bitte Spiel-, Malpause, wenn du den Wecker hörst.“ (auch Bauarbeiter, Künstler essen und machen Pausen)

 

Manche Konflikte entstehen erst, weil wir als Erwachsene vorher nicht genug darüber nachgedacht haben. Also, vorher schon überdenken, was geht jetzt, was geht heute, was nicht - und dann  eine andere Strategie anwenden. (Etwa gar nicht verlangen, es allein zu tun, evtl. begründen: „Heute habe ich es sehr eilig. Ich weiß, dass du es sonst alleine kannst, doch heute helfe ich dir dabei.“)

 

  • Wenn immer wieder gleiche Situationen zum Konflikt führen, dann sollte in einer ruhigen Abendstunde einmal gründlich darüber nachgedacht werden - Bei immer wiederkehrenden schwerwiegenderen Problemen sollte Hilfe gesucht werden!  Reden Sie mit dem Partner, mit einer Freundin, mit den Betreuerinnen / Lehrern des Kindes.

Scheuen Sie sich niemals davor evtl. in der Erziehungsberatungsstelle oder der Elternschule anzufragen und ein Beratungsgespräch zu nutzen. Es ist zum Wohle Ihres Kindes. Jetzt müssen Sie in noch relativ unscheinbaren Dingen Grenzen setzten und Regeln vorgeben. Welche Mittel und Maßnahmen wollen Sie als Eltern nutzen, wenn Sie Ihren Einfluss auf Grund des zunehmenden Alters immer mehr verlieren? Jetzt die Basis schaffen (bis 6 Jahre)!  Wenn diese funktioniert, läuft es später auch in bedeutsameren Dingen entspannter und ohne Extremstrafen. Dass unsere Kinder und Teenager wie solche werden, die man in Sendungen wie: "Die strengsten Eltern der Welt", oder "Supernanny" sehen kann, will sicher niemand.

 

  • Prüfe regelmäßig, ob die Regeln / Grenzen noch passend sind, die Konsequenz sinnvoll und fair ist, oder ob etwas ganz anderes mittlerweile besser geeignet ist 

Beispiel: Ein Kind hat eine Spielküche für Kinder zu Hause. Es setzt sich immer wieder in die Schränke. Das  konsequente Wegräumen bringt nichts. Sobald die Küche da ist, setzt sich das Kind  wieder hinein. 

Hier ist deutlich erkennbar, dass die doch konsequente Umsetzung, das Wegräumen, nicht zum gewünschten Verhalten beiträgt. Zu überlegen ist deshalb:

- braucht es eher eine Kuschelhöhle die evtl. zusammen aus einem festen Karton gebastelt wird, weil es sich im Moment gerne irgendwo hineinkuschelt

- ist es sinnvoller, das Kind in der Küche bei Mama / Papa und deren Schüsseln, Töpfen ... spielen zu lassen

- muss die Kinderküche vielleicht länger als nur ein paar Tage weggeräumt bleiben

- will das Kind dieses Spielzeug wirklich, oder meine ich als Mama / Papa nur, dass es so ist 

 

Rahmen und damit Grenzen erweitern sich nach Alter / Können / Erfahrung. In wie weit ein Kind schon verantwortlich handeln kann orientiert sich daran.

Beispiel:  Nachdem ein Kind das Rad fahren (mit Helm!) im Beisein der Eltern gelernt hat, fährt es von diesen beobachtet und beschützt auf sicheren Wegen, um Erfahrung zu sammeln.

Danach darf es allein, und dennoch immer mal durch die Eltern beobachtet, auf einem abgeschlossenen Platz oder abgesicherten Weg fahren.

Danach auf dem Gehweg evtl. bis ans Ende desselben. Später, um den Häuserblock. 

Dann im weiteren Straßenverkehr zu einem nahe wohnenden Freund und dann immer mehr alleine auch dorthin, wo größere Gefahren sein können. 

Dazu müssen Eltern jedoch wissen, was sie ihrem Kind zutrauen können. Sie müssen wissen und sich im Regelfall darauf verlassen können, dass das Kind sich verantwortungsvoll verhält und die ihm zugestandene Freiheit (z.B. das Rad zu nutzen) gut umsetzen kann (natürlich kann immer etwas passieren, gerade im Straßenverkehr gibt es noch andere Verkehrsteilnehmer, die sich evtl. falsch verhalten). Das bedeutet, dass auch hier Zeit und Geduld nötig sind, um hin und wieder einmal genauer hinzuschauen, evtl. bei einem gemeinsamen Ausflug, oder dadurch, dass ich meiner Aufsichtspflicht nachkomme und nach meinem Kind schaue.

 

  • in Ruhe darüber Reden, wenn der Ärger abgeklungen ist 
    In der Konfliktsituation sind die Kinder in der Regel blind und taub und schwer zugänglich. Je jünger das Kind, umso mehr bedarf es der Handlung und in einem späteren ruhigen Moment der Erklärung. Eine kurze Zeit zwischen dem Ärger tut sowohl dem Kind, als auch dem Erwachsenen gut. So kann jeder wieder "herunterfahren". Und auch hier,  VOR  ALLEM, nicht immer alles  TOT  REDEN.

Beispiel: Ein Kind zieht sich nach mehrmaliger Aufforderung nicht an, obwohl es das schon lange alleine kann. Nach dem „runterfahren“: „Es ärgert mich, wenn ich dich anziehen muss, weil ich weiß, dass du es schon so gut alleine kannst. Wenn du so trödelst, muss ich dich früher abholen. Du kannst dann weniger lange mit deinen Freunden spielen. Wenn ich mich darauf verlassen kann, dass du dich fix anziehst, wenn ich dich rufe, hast du länger Zeit zum spielen. Das werden wir morgen mal so probieren."

 

  • Elternrolle als solche annehmen
    Wir Erwachsene regeln den Alltag - NICHT  das Kind. Wir machen uns keinen Kopf, wenn wir pünktlich in die Arbeit müssen / wenn wir das Kind in der Küche nicht an alle Geräte ranlassen / wenn unser Kind keinen Alkohol bekommt....  Kind und Erwachsener ist ein Unterschied! Es wird sehr schnell anders -  die wachsen ja noch! Wenn Ihr Kind etwa 12 Jahre alt ist, können Sie immer mehr tatsächlich "Partner" und "Freund" werden. Diese Zeit kommt schneller, als Sie sich vielleicht vorstellen können, auch wenn Sie jetzt noch ein kleines Kind haben!

 

  • wenig Regeln, die jedoch konsequent, ohne langwierige Diskussionen umgesetzt werden
    Vorher sollten Sie sich selbst im Klaren sein, welche Regeln das sein sollen. Wählen Sie nur solche, bei denen Sie sicher sind, dass Sie sie standhaft umsetzen können. Das gelingt Ihnen bei den Dingen, die Ihnen ganz besonders wichtig sind. Wählen Sie eine solche Regel, die evtl. mit Schutz für Leib und Leben verbunden ist. Dann suchen Sie noch eine weitere Situation, die sie immer wieder ärgert, jedoch kaum oder gar nicht mit einer extremen Gefahr verbunden ist. Diese schon erwähnte Standhaftigkeit führt zu der ebenfalls schon beschriebenen wichtigen Basis. Dann ist es häufig wie das sog. "Schneeballprinzip", das eine Lawine auslösen kann. Es nimmt einfach das Andere  leichter mit.

 

Bieten Sie als Eltern ihren Kindern von klein an bereits Regeln und Grenzen an, werden sie sich leichter tun, diese später auch von anderen zu akzeptieren.  Das wird in jedem Fall kommen – und dann wird es hart und nicht herzlich. Das bedeutet nicht „Buckeln vor der Obrigkeit“. Die Gewohnheit jedoch, Regeln nicht achten zu wollen, ziehen sich laut Studie aus Queensland auch in den ganz normalen Schulalltag hinein. Dort wollen die Kinder sie  weiter praktizieren, indem etwa Rechtschreibregeln, Matheregeln unnötig hinterfragt und diskutiert werden wollen, und das nur,  weil es für die Kinder schon zur Gewohnheit geworden ist. Hier gibt es aber, selbst wenn der Lehrer gewillt ist zu diskutieren, keine andere Möglichkeit – Manche Dinge sind so wie sie sind! Die Kinder unserer Zeit haben sowieso viel mehr Mitsprache und Entscheidungsrechte als dies früher üblich war. Das ist gut so, doch trotzdem sind Wegweiser wichtig.

 

Klare Regeln, Grenzen und Konsequenzen, erleichtern das Zusammenleben und ersparen nervenaufreibende, überflüssige, immer wiederkehrende Auseinandersetzungen.

  • Sehen Sie sich als Wegbegleiter, der einige Zeit zusammen mit seinem Kind unterwegs sein kann und darf.
  • Freuen Sie sich über Ihre Rolle als Eltern, auch wenn dies manchmal mit Einschränkungen Ihrem Kind gegenüber verbunden ist, weil es der körperlichen, der geistigen, wie auch der seelischen und sozialen Gesundheit und Entwicklung dient.
  • Trauen Sie sich, Strukturen und Orientierung zu geben.
  • Stellen Sie nur Regeln auf, wenn Sie auch bereit und in der Lage sind, diese durchzusetzen.
  • Überdenken Sie bei einem Fehlverhalten Ihres Kindes auch Ihren eigenen Gemütszustand, bevor Sie reagieren – denn ob ein Kind bestraft wird, oder eine Konsequenz erfährt, hängt oft von der eigenen Laune ab. Kompetente, einfühlsame Eltern sind weder zu nachgiebig, noch zu streng. Einfühlsam bedeutet eben auch, zu erkennen, wenn ein deutliches Gebot angesagt ist.

Nehmen Sie es sportlich, wenn Ihr Kind Sie herausfordert. Schauen Sie aber, wie die Gewinner- und Siegliste aussieht. Im Bezug auf Regeln und Grenzen, sollten die Medaillen öfter bei Ihnen landen.

Die Arbeit der Kinder ist, Grenzen auszutesten – wie weit kann / darf ich gehen (nur bis zum Bordstein, oder auf die Fahrbahn?)

Die Arbeit von Ihnen als Eltern ist, Grenzerfahrungen zu bieten.

Wenn Sie einige wenige Dinge, bei denen Sie wirklich gewährleisten können, dass Sie das angehen / durchhalten, dann werden die Konflikte insgesamt weniger werden, weil Ihr Kind wirklich merkt, dass es Ihnen ernst ist mit dem was Sie sagen. Das dauert länger, je öfter das Kind schon (zuvor) die Erfahrung gemacht hat, dass es gewinnt, wenn es hartnäckig genug ist. ALSO - zum Wohle Ihres Kindes - DURCHHALTEN.

 

Und wenn mal alles schief geht und gar nichts hilft, dann holen Sie sich doch den Spruch vor Augen, den ich persönlich für viele Lebenslagen einfach genial finde:

„ Ich habe zwar keine Lösung,

bewundere jedoch das Problem!“

Quelle ist mir leider unbekannt

 

Gras

 

Und wenn Sie jetzt noch wollen, einige Beispiele:

Nicht Essen wollen:

Mit dem Kind absprechen was es essen möchte, indem zwei Gerichte zur Auswahl gegeben werden.  Wenn das vereinbarte Gericht dann nicht gegessen wird, muss bis zur nächsten Mahlzeit gewartet werden. Eine Nachspeise geht natürlich nicht, da ja scheinbar der Hunger schon gesättigt, der Bauch wohl voll ist. Es gibt auch beim Einkaufen NICHTS (klar, dass nächstes Problem ansteht!). IHR KIND VERHUNGERT NICHT!

 

Zähne putzen verweigern:

Dann sind konsequent erst einmal alle Süßigkeiten gestrichen - ist ja sowieso gesünder ohne. Großeltern, Tanten, Paten, KiTa bekommen umgehend Bescheid und wenn trotzdem genascht wurde, z.B. Geburtstag SOFORT Zähne putzen lassen (es sollte deshalb immer eine dabei sein).

Hilfreich kann sein, wenn Eltern und Kind gemeinsam putzen. Oft sieht das Kind gar nicht, dass auch Sie das täglich machen, da Sie später zu Bett gehen, früher aufstehen usw. (Kurz nachputzen beim Kind und evtl. Kind auch mal bei Ihnen putzen lassen.)

Eine schöne elektrische Zahnbürste zusammen kaufen.

Zahnarzt besuchen - solange noch kein Problem mit den Zähnen da ist!! Er zeigt und sagt, was und wie das Kind es tun soll. Es sagt somit eine andere Person, nicht die Mama von der ich weiß, dass ich sie damit reizen kann. Er kann auf Bitte eine Flüssigkeit auftragen, die die Zähne färbt, um SICHTBAR zu machen, dass da wirklich ein „Feind“ sitzt, den man halt ohne diese Farbe nicht sehen kann. Der ist schlau, der tarnt sich – man kann ihn mit der Zahnbürste bekämpfen. (Ist ihr Kind grade im Wikingerfieber hilft auch ein Vergleich: Die Zahnbürste verjagt die Zahnfeinde, wie die Wikinger den Sven. Sven gibt nicht auf, wie die Zahnfeinde. Er kommt immer wieder - Zahnfeind auch.  Deshalb jeden Tag Zähne putzen!)

Glaubens- und Frageformen vermeiden: „Ich glaube, wir gehen jetzt Zähne putzen / Glaubst du nicht, dass du jetzt Zähne putzen gehen solltest?“ Besser: „Geh bitte jetzt zum Zähne putzen. / Komm wir gehen zusammen Zähne putzen“

Eine logische Konsequenz kann auch sein, wenn es wieder Zirkus gibt, dass keine Zeit mehr für das anschließende übliche Ritual ist, z.B. Geschichte lesen. Es sollte natürlich schon ein Ritual geben. Erklärung: „Es ist schon sehr spät, wenn wir im Bad wieder so lange brauchen mit dem Zähne putzen und umziehen. Wir haben heute keine Zeit mehr, noch deine Lieblingsgeschichte zu lesen.“ Logischer begründeter konsequenter Hinweis. Damit ist zudem die Entscheidung an das Kind abgegeben.  Wenn es sich für das Trödeln entscheidet, ist das sein Problem - Zorn aushalten!!!

Übrigens, Zahnärzte fordern, dass Vorsorgeuntersuchungen, wie sie bereits bei Kinderärzten üblich sind, auch bei ihnen verpflichtend eingeführt werden sollen (Stand Februar 2014).

 

Aufräumen:

Einmal die Woche muss alles vom Boden weg zum Wischen / Saugen.

Spielerisch gemeinsam aufräumen, vor allem wenn es sehr viel Sachen sind, z.B. Hände ähneln einem Schaufelbagger, deshalb "baggern" wir alles an einen entsprechenden Platz.   

Ansprechende Boxen, evtl. mit Bildern darauf, was hineingehört - Kind darf evtl. selbst die Fotos dafür machen.

Wenn Ihr Kind gern in der Nähe von Ihnen als Eltern sein möchte, einen abgegrenzten Platz, z.B. durch einen Spielteppich ermöglichen, auf dem alles sein kann, was Ihr Kind braucht. Zwischendurch mal Teile wegräumen, damit nicht alles auf einmal so viel ist. Mithelfen, NICHT als Eltern alleine machen – MIT dem Kind nicht FÜR das Kind! Es lernt dabei ganz nebenbei Hilfsbereitschaft und Verständnis. Kinder lieben auch Sprüche: „Viele Hände, machen ein schnelles Ende.“

Bei älteren Kindern kann es als Lernspiel getarnt werden, etwa mit einem großen Würfel - jeder in der Familie macht mit. Es werden immer so viele Teile weggeräumt, wie Würfelaugen zu sehen sind (Gemeinschaftsinn und Familienzusammengehörigkeit werden gestärkt, Konzentration auf eine vorgegebene Sache wird geübt, Mengenerfahrung und Zahlenkenntnis spielerisch trainiert...)

 

Zorn,  weil im Geschäft etwas nicht gekauft wird:

Schon vorher klar stellen, was passiert, wenn das Kind beim Einkaufen wieder einen „Tanz“ macht – Erklärung geht nicht im Geschäft, während des Konfliktes! „Du darfst dir etwas Kleines auswählen – eine Sache - wenn es so wie beim letzten Mal trotzdem Ärger gibt, weil du noch etwas willst, werde ich sofort mit dir zum Auto gehen.“  Das kann nur gemacht werden, wenn Sie ab dem Zeitpunkt ab dem Sie das durchführen wollen, jemanden dabei haben können, der weiter für sie einkauft! Sonst überlegen Sie sich etwas anderes (siehe nächste Idee)

Alleine einkaufen fahren:  „Ich gehen in nächster Zeit ohne dich einkaufen, weil ich es nicht mag, wenn du im Geschäft so zornig bist, wenn du nicht alles haben kannst was du willst.“ Das ist natürlich nur sinnvoll, wenn das Kind an sich gerne mit Einkaufen fährt. Es sollte in der Zeit natürlich nicht bei jemandem sein, bei dem es besonders toll ist. Es sollte zudem sehr zeitnah geschehen, dass Sie  einkaufen fahren, nachdem der Ärger war. 

Die Chance es gut zu machen muss immer wieder neu geben sein. Mit Kind vor dem Einkauf absprechen, ob es heute gelingt, dass es ohne Ärger mit einkaufen fährt. „Weißt du noch was geschieht, wenn es Geschrei gibt und du dich nicht an die Absprache hältst? Kind, soweit möglich, in eigenen Worten antworten lassen. Wenn es nicht klappt, sofort wieder die angekündigte Konsequenz einsetzen UND ohne Worte aus Geschäft gehen (längerer Atem).

Eine Möglichkeit kann sein, dem Kind seinen eigenen Geldbeutel zu geben und ein Geldstück hineinzulegen (Alter bachten). „DEIN Geld, dafür darfst DU dir was kaufen.“ Besprechen, was das sein könnte, es reicht ja nur für gewisse Sachen (wie ihr Geld auch - kann man immer wieder erwähnen bei Einkäufen: "Das ist schön, das würde ich gerne haben. Ich kann es nicht kaufen, weil ich nicht so viel Geld dabei habe.").  Sie wissen ja, was Ihr Kind gerne mag und können das entsprechende Geldstück geben. Dann sollte es natürlich die Süßigkeit kaufen dürfen, selbst wenn Sie darüber weniger glücklich sind – dann hat man gleich eine guten Grund zum Zähne putzen!

 

Anziehen, Ausziehen:

Am leichtesten lernen die Kinder aus den Folgen ihres Tuns. Übernehmen sie also nicht die Verantwortung, wenn sie vom Kind ohne Gefahr selbst übernommen werden kann. Das gilt nicht nur für dieses Beispiel.

Wenn sich Ihr 4jähriger, der sich bekanntermaßen ohne Hilfe waschen und anziehen kann, jeden Morgen wieder weigert dies zu tun, ist eine logische Konsequenz, ihn nach sehr wahrscheinlich schon mehrmaligem Bitten und angemessener Zeitspanne, ohne weiteren Kommentar und nur im Schlafanzug in den Kindergarten zu bringen. (Vorher sollte mit den Erzieherinnen schon angesprochen worden sein, dass das passieren kann.) Das Problem besteht also nicht erst ein oder zwei Tage. Ein Kind erfriert in der kurzen Zeit nicht, selbst wenn es kalt ist. Es war seine Entscheidung sich nicht anzuziehen, die Sie in dem Fall einfach nur geachtet haben!

 

Entscheidung zugestehen:

Ermöglichen Sie Ihrem Kind so oft es geht, selbst Entscheidungen treffen zu dürfen. Überlegen Sie jedoch bereits vorher, ob Sie Ihrem Kind wirklich eine Wahl lassen wollen oder können.

Beispiel: „Gehst du mit nach Hause?“ „Fährst du mit einkaufen?“ „Ziehst du dich an?“ „Willst du deine Mütze aufsetzen?“ Das ist o.K., wenn ein „NEIN“ wirklich geht:

  • weil noch Zeit ist,
  • weil Sie noch mit jemandem reden wollen usw.
  • weil das Kind auch zu Hause bleiben könnte, wenn es wollte – was auch geht wenn es älter ist – also Regeln ändern sich - MIT  ZUNEMENDEM  ALTER!
  • weil es warm genug ist, um wirklich ohne Mütze zu gehen...

 

Es ist unsinnig, unnötig, eine Entscheidungsfrage zu stellen, wenn Sie schon von vorneherein wissen, dass ihr Kind eigentlich keine Entscheidung treffen darf, weil Sie einen Termin haben oder zügig heim wollen usw. Sie beschwören damit den Konflikt selbst herauf.

 

Formulieren Sie  anders. Gehen Sie erst zum Kind und nehmen Sie es schon an der Hand oder auf den Arm:„Hallo Schatz, auf geht’s, ich hab´s heut eilig.“ – „Mausi wir müssen dringend noch einkaufen, komm hüpf´ in die Klamotten.“ - Nicht locken, dass es im Geschäft etwas aussuchen darf, nur damit es kommt - außer es ist sonst auch üblich, dass es sich, z.B. beim Bäcker etwas wählen darf. Evtl. locken mit etwas, das dem Kind auf dem Weg gefällt: Liederkassette im Auto / schauen ob die Baustelle noch da ist, oder wie weit es dort schon vorangegangen ist .

Sie wissen selbst am Besten, wann und wo häufig Diskussionen, Ärgernisse entstehen. Überlegen Sie an einem ruhigen Abend, wie Sie das angehen können.

Hilfreich ist auch manche Dinge schon etwas vorher anzukündigen, z.B. Einkaufen fahren – wenn der Wecker klingelt ist Pause auf der Baustelle, im Kunstatelier …  (auch Bauarbeiter / Künstler machen regelmäßig Pausen).

Ein letztes Beispiel mit der Mütze:

Eine Mütze wird aufgesetzt, wenn es vom Wetter her nötig ist - das ist die Regel! Es gibt keine Verhandlung darüber, da Sie sonst ein krankes Kind riskieren. (Spielplatz ist sonst nicht möglich; fahren mit dem neuen Laufrad erst wieder, wenn es wärmer ist und keine Mütze nötig ist)

Evtl. setzten Sie als Erwachsener eine Zeit lang selbst eine Mütze auf. Kind muss allerdings auch lernen, dass bei Erwachsenen manchmal was anders ist (Kaffee, Wein).

Es kann evtl. aus 2 verschiedenen Mützen auswählen. Wenn trotzt, dann: „Wenn du dich nicht entscheiden kannst, wähle ich HEUTE eine für dich (Möglichkeit es morgen selbst zu machen ist wieder gegeben, neue Chance – neues Glück)

Ich kann jedoch auch freistellen eine Mütze nicht aufzusetzen, wenn es nicht so kalt ist – sollte jedoch klar formuliert werden!!! „Du kannst HEUTE ohne Mütze gehen, wenn du möchtest, es ist warm genug.“ Hier kann ein „Ja“ oder ein „Nein“ zugelassen werden. Wetten, dass die meisten Kinder, dann eine aufsetzen wollen!


Danke für Ihr Durchhaltevermögen!


Abschluss