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Die Drei-Stufen-Lektion

in der Montessoripädagogik

 

1.       Zum  Begriff  und  dessen  Voraussetzungen

 

Die Drei-Stufen-Lektion ist eine besondere Methode zur Einführung von Materialien. In der Regel erfolgt die Erstdarbietung eher wortlos. (siehe auch „Die Darbietung“)

Die Drei-Stufen-Lektion wird auch „Wortlektion“ oder „Lektion der Drei Zeiten“ genannt.

„Die Lektion ist ein Appell an die Aufmerksamkeit des Kindes.“(Zitat Maria Montessori)

Lektion bedeutet die Einführung, das Kennen lernen, die Handhabung, die Darbietung eines Arbeitsmateriales, Spieles bzw. Arbeitsablaufes.

Voraussetzungen:

Die Einführung geschieht häufig in Einzelbetreuung. Sie ist weitgehendst auf die Individualität, das Interesse und den Entwicklungsstand des Kindes abgestimmt.

Eine Einführung erfolgt in der Regel erst ohne Worte, so dass die Aufmerksamkeit  auf die Handlung  / Aufgabe selbst gelenkt wird. 

Wenn nötig wird nur ein Minimum an Worten gebraucht.  Es wird einfach und klar mit den richtigen Begriffen erklärt.

Die Objektivität bleibt gewährleistet, d.h. die Persönlichkeit des Erziehers / Lehrers bleibt im Hintergrund, nur der Gegenstand / das Materials ist wichtig.

Es wird je nach Interesse, Können, Merkfähigkeit und Ausdauer ein intensiver, langer Umgang mit dem Material zugelassen (wenn vom Kind gewollt oder gebraucht, auch über Wochen).  Erst dann werden die gemachten Erfahrungen, z.B. Eigenschaften, Dimensionen, usw. mit Begriffen belegt.

In der Erstdarbietung werden normalerweise nicht mehr als 3 Gegenstände, die sich gut erkennbar voneinander unterscheiden eingeführt, z.B. Klein/Mittel/Groß; Rot/Gelb/Blau... Je nach Kind kann schneller oder langsamer gesteigert werden.

Bei manchen Materialien erfolgt die Drei-Stufen-Lektion sofort nach der wortlosen Darbietung, z.B. bei den Tasttäfelchen, Sandpapierziffern oder Sandpapierbuchstaben. 

 

2.       Ziele

  • Wortschatzerweiterung
  • Begriffsbildung
  • Differenzierte Sprache schulen
  • Konzentrationsförderung
  • Beziehung zur Umwelt verbessern
  • Förderung der Unabhängigkeit, des Selbstwertes und der Persönlichkeitsentwicklung

 

3.       Rolle  der  Erzieherin / Lehrerin  bei  der  Drei-Stufen-Lektion

  • Genaue Kenntnisse des Ablaufs und Aufbaus der Drei-Stufen-Lektion
  • Genaue Kenntnisse des Aufbaus, der Handhabung und der pädagogischen Zielsetzung des Materials
  • Genaue Kenntnisse der sensiblen Phasen, des Interesses jedes einzelnen Kindes
  • Achtung, Respekt und liebevoller Umgang mit dem Kind
  • Zeit und Geduld
  • Beobachtung

 

4.       Aufbau  der  Drei-Stufen-Lektion

Erste Stufe   >>>   Namensgebung

Nach einer wortlosen Darbietung nennt der Erzieher / Lehrer den exakten Begriff

Zweite Stufe   >>>   Reproduktion (passiver Wortschatzgebrauch)

Der Erwachsene fordert das Kind auf : „Zeige mir... .“,  „Trage .... hinter die Tür.“ usw. Das Kind führt die Aufgabe aus. Es folgen viele solcher Übungen, evtl. auch abgewandelt über mehrere Tage/Wochen hinweg.  In dieser Stufe kann überprüft werden, ob das Kind die Begriffe verstanden hat.

Dritte Stufe   >>>   Abstraktion (aktiver Wortschatzgebrauch)

Hier ist das Kind bereits sprachlich selbst aktiv. Es benennt den Gegenstand /  die Eigenschaft auf eine Frage  hin selbst. "Welche Farbe liegt auf dem Tisch. Welche Farbe halte ich in der Hand?"   Diese Stufe dient noch zur Übung, Wiederholung, Verinnerlichung. Sie überprüft die beiden vorangegangenen Stufen.

Tritt bei einer dieser drei Stufen ein Problem auf, wird auf die vorherige Stufe zurückgegangen. (siehe Punkt 6.)

 

5.       Drei-Stufen-Lektion erklärt anhand eines konkreten Beispiels:

Die Sandpapierziffern

Alter :   ca. 4 Jahre, bzw. je nach Interesse und Entwicklungsstand des Kindes

Ziele :   

  • kennen und benennen der Ziffernamen
  • Wortschatzerweiterung
  • Vorübung (Hinführung) zur Mathematik

               Materialbeschreibung :  grüne Holztafeln mit Ziffern von  0  bis  9
                                              Die Ziffern selbst sind aus Sandpapier, somit unterscheiden sie sich
                                              gut vom glatten Hintergrund

Selbstkontrolle : taktil, wenn das Kind von der rauen auf die glatte Fläche gelangt

Die gesamten Vorbereitungen für eine wortlose Lektion sind erfolgt, (Arbeitsplatzvorbereitung, Interesse des Kindes...) bzw. werden bei der Drei-Stufen-Lektion mit beachtet.

 

Erste Stufe :  Namensgebung durch den Erzieher (E) / Lehrer (L)

Das Kind wählt, wenn es möchte, drei Ziffern aus,

oder der Erwachsene gibt drei kontrastierende Ziffern (in Klang und Aussehen) vor. Sie werden vor dem Ziffernkasten auf den Tisch gelegt :

Stimulation der Fingerspitzen, z.B. durch Reiben, um den Tastsinn zu sensibilisieren.

E / L holt eine der Ziffern vor sich (z.B. die  1)

Mit dem Zeige- und Mittelfinger der entsprechenden Schreibhand und entsprechend der richtigen Schreibrichtung wird die Ziffer nachgefahren (Händigkeit des Kindes wird beachtet)

E / L schaut danach das Kind an, seine Stimme ist freundlich und einladend.

                Deutlich sagt der Erwachsene : „Das ist die  Eins.“

                Das Kind erhält die Ziffernkarte und wiederholt

So werden auch die beiden anderen Ziffern eingeführt

Zweite Stufe :  Reproduktion  (passiver Wortschatzgebrauch)

Der E / L fordert das Kind auf:  „Zeige mir die Acht.“   „Lege die Eins unter den Tisch.“    „Halte die Vier über den Kopf.“ usw.

Durch mehrere, immer wieder abgewandelte (um das Interesse des Kindes wach zu halten) solcher Übungen, verinnerlicht das Kind über die Bewegung den Begriff, ohne schon selbst sprechen und benennen zu müssen.

Dritte Stufe :   Abstraktion  (aktiver Wortschatzgebrauch)

                Der E / L deutet auf eine Ziffer und fragt : „Was ist das?“

Das Kind antwortet nun : „Das ist die  Acht.“  usw.  es  benennt nun selbst die Ziffern.

Je nach Entwicklungsstand, Interesse und Ausdauer des Kindes festigt der Erzieher / Lehrer  die Begriffe weiter durch Übungen (Stufe 2), oder nimmt noch neue Ziffern dazu. Wichtig ist hierbei die Beobachtung, um den Spaß an der Übung weiterhin  aufrecht zu erhalten. Die Stufe 3 erfolgt teilweise erst nach mehreren Tagen, manchmal Wochen.

Bei dieser Art des Lernens von Begriffen hört das Kind erst einmal sehr häufig die richtigen Namen. Das heißt, Kinder die sich sprachlich noch schwer tun, können schon viele Aufgaben lösen, ohne dass sie selbst sprechen müssen. Dies steigert das Selbstbewusstsein und die Freude am Tun. Wenn sie sicher sind, benennen auch sie die Begriffe richtig.

 

6.       Reaktionen  bei  Schwierigkeiten

Fehler werden nicht korrigiert indem dem Kind gesagt wird „Das ist falsch“: Entweder wird ohne besonderen Hinweis auf die vorherige Stufe zurückgegangen, oder die gesamte Darbietung zu einem späteren Zeitpunkt erneut durchgeführt (evtl. bei zu geringem Interesse des Kindes, unvorhersehbare Situation die Störung bringt...)

Darbietung eventuell beim nächsten Mal vereinfachen (z.B. nur zwei Ziffern anbieten)

Kritische Selbstreflexion des Erziehers / Lehrers: passte die Umgebung, der Zeitpunkt, die eigene Vorbereitung, usw.

 

7.       Schlussbemerkung

Die Drei-Stufen-Lektion ist eine sichere  Methode zur Einführung von neuen Begriffen, Merkmalen usw. Sie lenkt das Kind nicht durch unwichtige, unnötige Beschreibungen oder Vergleiche von der eigentlichen Aufgabe ab (Prinzip der Sachgebundenheit). Bei der Arbeit mit und an dem Material kann der Erzieher / Lehrer durch Beobachtung den individuellen Entwicklungsstand des Kindes besser einschätzen, da er sich vollkommen darauf konzentrieren kann. Motorische, sprachliche, intellektuelle Probleme und Verzögerungen werden leichter erkannt. Es können entsprechende Maßnahmen erfolgen, um das Kind zu fördern, z.B. Elterngespräche, um auch zu Hause noch geziele Spiel- und Übungseinheiten mit einzubauen; Weiterleitung an Fachdienste wie Logopäden, Motopädagogen usw.


Abschluss