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Die Darbietung

in der Montessoripädagogik

 

1.      Begriffserklärung

Die Darbietung, auch Einführung genannt, ist laut Dr. Maria Montessori „ein Appell an die Aufmerksamkeit des Kindes“. In der Regel erfolgt sie in Einzelarbeit mit dem Kind.

Es geht in erster Linie darum, dem Kind das Material, die Arbeit, das Spiel, den Gegenstand, die Tätigkeit, die Merkmale, Dimensionen usw., in verständlicher, kindgemäßer Art und Weise nahe zu bringen. Dies dient der Wortschatzerweiterung und Begriffsbildung, schult die Aufmerksamkeit und Konzentration und vermittelt etwas über die jeweiligen Eigenschaften, oder die sachgemäße Handhabung von Spiel- und Arbeitsmaterialien. In manchen Fällen trägt  es maßgeblich dazu bei, die Sicherheit des Kindes zu gewährleisten, z.B. beim Umgang mit Werkmaterial.

Dazu gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten :

 A. Wortlose Darbietung

Es sind nicht immer Worte nötig. Oft genügt es, zu zeigen, wie der Gegenstand, das Material, die Tätigkeit, gehandhabt werden kann, oder sollte (weil er dadurch heil bleibt; weil es sicherer ist, weil es einfacher geht...)

Bei der eher wortlosen Lektion geht es nicht um verbale Erklärungen und Anweisungen, sondern um die präzise Darbietung der Handlung bzw. Handhabung. Diese wird langsam und geduldig, evtl. auch öfter gezeigt und mit dem Kind gemacht. Ist erkennbar, dass das Kind das gleiche Ergebnis auch auf einem anderen Weg erreicht, wird dies mit Lob und Anerkennung beachtet. Viele Wege führen zum Ziel. Das Angebot durch den Erwachsenen soll lediglich Anreize schaffen, oder Hilfe zur Selbsthilfe sein.

Merkmale

  • Ist es trotzdem nötig, etwas zu  erklären, erfolgt dies in Kürze
    d.h. ein Minimum an Worten wird gebraucht.
  • Ein weiteres Merkmal ist die Einfachheit,  >>>  d.h. der richtige Begriff laut Montessori „nur die reine Wahrheit“ wird genannt, z.B. bei Materialien zum Formen erlernen: Quadrat, nicht nur Viereck; Rechteck, nicht nur Viereck; beim Farbenlernen: „Das ist grün.“, nicht „Das ist genau wie das Gras, das ist grün.“ (der erster Teil birgt überflüssige Information, wenn es darum geht Farben zu lernen; Vergleiche kommen dazu, wenn die Farbe sicher erkannt wird, bzw. klar ist, welcher Lerntyp das Kind ist)
  • Das dritte Merkmal ist die Objektivität,  >>>  d.h. die Persönlichkeit der Erzieherin / Lehrerin tritt in den Hintergrund, der Gegenstand, das Material, die Tätigkeit allein wird hervorgehoben, da sich die Aufmerksamkeit des Kindes darauf konzentrieren soll.

 

B. 3-Stufen-Lektion   ( Lektion der Drei-Zeiten / Wortlektion )

Diese wird in der Regel eingesetzt, wenn das Kind bereits intensiv und längere Zeit mit einem bestimmten Material gearbeitet hat, z.B. Einsatzzylinderblöcke, Rote Stangen, Rosa Turm usw. Erst dann belegt man die Erfahrungen (z.B. Eigenschaften, Dimensionen, usw.) mit Begriffen (dick/dünn – flach/hoch; lang/kurz – länger/kürzer....)

Die Lektion verläuft  in  3 Stufen :

Namensgebung   >>>   nur die Eigenschaft wird genannt, z.B. lang - kurz....

Reproduktion     >>>   der Begriff wird durch Bewegung verinnerlicht, z.B. "Lege die lange Stange auf den Tisch. Trage die kurze Stange zu Tim."  Hier wird durch viele Handlungen der Gegenstand, der Begriff usw. den es zu lernen gilt, verinnerlicht.

Abstraktion       >>>   das Kind gebraucht selbst den neuen Begriff, z.B. wird das Kind nach längerer Anwendung der Reproduktionsstufe ermuntert, die entsprechende Stange selbst zu benennen "Was für eine Stange ist das?" "Die lange Stange."

Dabei wird stets auf die deutliche Bezeichnung der Begriffe geachtet. Es wird angeregt, in ganzen Sätzen zu antworten.

Bei manchen Materialien erfolgt die 3-Stufen-Lektion gleich im Anschluss an die wortlose Darbietung, da sich durch die genialie Einfachheit des Materials, sofort die Begriffsbildung anbietet: z.B. Sandpapierziffern, Tastbrettchen, ....  .

 

2.      Ziele:

  • Kennenlernen des Materials
  • kindliche Entwicklung ganzheitlich und auf verschiedene Art und Weise fördern, unterstützen
  • Sensible Phasen aufgreifen und nutzen
  • Polarisation der Aufmerksamkeit fördern (Konzentration aufbauen)
  • Beitragen zur „Normalisation“  (siehe "Theoretische Grundbegriffe“)

 

3.      Rolle  des  Erziehers / Lehrers:

  • Beobachtung des einzelnen Kindes, um Interessen auszuloten
  • Nicht zu Wiederholungen zwingen, jedoch dazu ermuntern
  • Fehler nicht bemängeln, sondern noch einmal geduldig und richtig zeigen
  • Zeit- und Arbeitsrhythmus des Kindes beachten
  • Profunde Kenntnisse von Aufbau, Handhabung und pädagogischer Zielsetzung des Materials haben, falls erforderlich, müssen Abwandlungen spontan möglich sein
  • Langsame, klare, deutliche Bewegungen bei der Einführung des Materials
  • Wertschätzung des Materials, einen besonders anmutigen Umgang damit pflegen (Vorbildfunktion in allem)
  • Vollständigkeit und Ästhetik des Materials gewährleisten

 

4.      Voraussetzung / Richtlinien  für die Darbietung

Es gibt Richtlinien, die grundsätzlich bei allen Darbietungen befolgt werden sollen :

Zeitpunkt – Interesse des Kindes

Durch Beobachtung bemerkt der Erzieher / Lehrer in der Regel, wann ein Kind besonderes Interesse für ein Material, ein Spiel, eine Tätigkeit  zeigt.  Meist ist dies ein deutliches Anzeichen einer gerade sensible Periode, in der das Kind durch seine eigene, innere Motivation besonders empfänglich ist, gerade das zu lernen. Dann ist es bereit, „reif“ (Aussage von Dr. Montessori) für den neuen Lerninhalt. Es hat evtl. schon erste Erfahrungen mit dem Material gemacht, z.B. weil es ein anderes Kind  dabei beobachtet hat, oder ihm das Aussehen gefällt... Interesse lässt sich auf vielfältige Art und Weise auch wecken, wenn die Erziehenden feststellen, dass das Kind in einem bestimmten Bereich etwa, noch mehr Übung braucht. Letztendlich muss das Kind jedoch gerne mitmachen wollen, da Lernen unter Zwang in der Regel keine Grundlage für Wissensvermittlung ist. Freude und Spaß sind die wichtigsten Faktoren für nachhaltiges Lernen, auf das bei Bedarf zurückgegriffen werden kann (belegt durch die Lern-und Hirnforschung).

Orientierung

Zusammen mit dem Kind holt der Erzieher / Lehrer das Material aus dem Regal. Das Kind kennt nun den dafür vorgesehenen Platz. Es kann ab diesem Zeitpunkt das Material selbständig holen und wieder aufräumen. Natürlich umfasst dies auch alle alltäglichen Bereich, wie Ausziehen, also wo die Sachen aufgehängt werden,  etwas sicher tragen oder das Glas finden um sich Saft einzugießen usw.

Begrenzung

Es wird je nach Material auf dem Tisch (meist kleine Einzeltische) oder auf dem Arbeitsteppich (am Boden) gearbeitet. Der Arbeitsteppich dient als Tischersatz, da kleine Kinder noch gerne auf dem Boden sitzen. Er bietet eine für alle sichtbare Begrenzung und damit auch Schutz für das Spiel bzw. Arbeitsmaterial. Um es übersichtlich zu haben, und das Kind nicht unnötig abzulenken, ist nur das zu bearbeitende Material oder Spiel auf dem Arbeitsplatz.

Sitzordnung

Je nach Händigkeit sitzt das Kind entsprechend links (bei Rechtshändigkeit) oder rechts (bei Linkshändigkeit) vom Erwachsenen.  Hier arbeitet der Erzieher / Lehrer so wie das jeweilige Kind es von seiner Händigkeit her braucht (einstellen auf das Kind)!  Das Kind muss gute Sicht auf das Material und die Demonstration haben.  Nach der Einführung des Erwachsenen erfolgt ein bewusster Platzwechsel, die Rollen werden somit getauscht. Das Kind arbeitet und der Erwachsene schaut aufmerksam zu. Dadurch ist sofort zu erkennen, ob das Kind alles verstanden hat, oder ob noch einmal etwas gezeigt oder erklärt werden sollte. Bei manchen Materialien, etwa bei der Einführung von Tischspielen,  bietet es sich an kleine Gruppen zu bilden. Auch hier wird darauf geachtet, dass jedes Kind gut zum Arbeitsplatz schauen kann.

Beziehung

Die Erzieherin / Lehrerin sorgt für einen persönlichen Kontakt. Es herrscht eine freundliche, aber konzentrierte Atmosphäre. Wenn irgend möglich sollte die Darbietung als Einzellektion erfolgen. Der Blickkontakt zwischen dem Kind und dem Erwachsenen muss immer wieder hergestellt werden. Nur so wird erkannt ob das Kind noch „bei der Sache „ ist, ob es über- oder unterfordert ist.

Präzision

Die Bewegungen sind zielgerichtet, langsam, eindeutig und klar. Der Erwachsene muss also die Darbietung sicher beherrschen.  Damit das Kind nicht unnötig abgelenkt wird, sollte so wenig wie möglich erklärt / gesprochen werden. Auch die Ablenkung durch andere Faktoren sollten so weit wie möglich ausgeschlossen werden, z.B. Telefon, Störungen durch andere Kinder, Kolleginnen, Eltern...

Vollständigkeit

Die Einführung soll nicht unvollständig dargeboten werden, das bedeutet, dass der gesamte richtige Ablauf vorgestellt wird. Wie wird etwas getragen, wie wird es geordnet, wie wird es sortiert usw. Der Erziehende muss deshalb die Kinder schon im Vorfeld immer wieder gut beobachtet haben, um einschätzen zu können, inwieweit er ein bestimmtes Material, eine Tätigkeit, einem Kind zumuten kann. Jedes Material bietet die Möglichkeit es vereinfachter, oder bei Bedarf schwieriger vorzustellen. So ist gewährleistet, dass das Kind weder über- noch unterfordert wird. Das Kind wird immer wieder ermuntert es selbst, oder mit kleinen Hilfen des Erwachsenen zu tun und zu wiederholen. Der Erwachsene nimmt sich dann so bald wie möglich zurück und beobachtet das Kind. So erkennt er deutlich, ob und wann das Kind noch Hilfe braucht und wo dies nicht mehr nötig ist.

Variationen

Variationen / Abwandlungen, werden erst nach intensivem Üben angeboten, damit sich das Tun verinnerlichen und automatisieren kann. Somit kann es im Gehirn langanhaltend und sicher gespeichert werden und auch nach längerer Zeit wieder abgerufen werden. Je nach Entwicklungsstand werden diese Variationen eher oder später interessant sein. Häufig erfinden Kinder selbst weitere sinnvolle Übungen / Variationen.

 

5.      Kurzbeschreibung   einer  wortlosen  Erstdarbietung 

„Stuhl  tragen“ - eine Übung aus dem Bereich des sog. "Täglichen Lebens"

  • Erzieherin / Lehrerin (E/L)stellt sich so vor den Stuhl, dass die Lehne rechts ist (bei einem linkshändigen Kind evtl. die Lehne nach links).
  • E / L geht bewusst langsam in die Knie (richtige Körper- Rückenhaltung) und nimmt mit der rechten Hand die Lehne am unteren Rand
  • Mit der linken Hand ergreift sie den unteren Rand der Sitzfläche (gegenüber der Lehne).
  • Sie kippt den Stuhl langsam auf die Stuhlbeine an ihrem Körper (Stuhl steht nun auf 2 Beinen), und hebt ihn dann aus den Knien heraus hoch.
  • Der Stuhl wird zum gewünschten Platz getragen.
  • Nun geht die E / L leicht in die Knie (Rückenentlastung),  stellt langsam die beiden Stuhlbeine nahe ihrem Körper auf dem Boden ab ,  dann die beiden anderen Stuhlbeine.
  • Das Kind wiederholt.

Bei der Erstdarbietung wird auf teilweise übertriebene Genauigkeit geachtet. Mit der Zeit,  zunehmendem Können und Sicherheit der Kinder, gehen die Einzelheiten sowieso verloren.

 

6.      Die besonderen Materialbereiche in der Montessori-Pädagogik

Sinneserziehung

bei diesen Materialien ist häufig erst einmal die wortlose Darbietung im Gebrauch. Wenn die Kinder schon öfter mit dem Material gearbeitet haben erfolgen Begriffserklärungen, z.B. bei den Einsatzzylindern die sich in ihrem Umfang und ihrer Größe unterscheiden, so dass Begriffe wie dick / dünn, flach / hoch... und differenziertere Sprachbegriffe gelernt werden können wie etwa "dicker als" usw.

Lebenspraktische Erziehung

hier findet man vorwiegend Materialien die dem Kind helfen, sich im Alltag selbstständig zurechtzufinden. Speziell diese Materialien werden ohne Worte vorgestellt, also nur durch das genaue, geduldige Vorzeigen. Dazu gehören etwa die Schütt- und Löffelübungen aus der Montessori-Pädagogik und täglich anfallende Arbeiten wie das An- und Ausziehen, das Öffnen der Brotzeittasche und der Essensbox  und vieles mehr.

Mathematikerziehung            

Kosmische Erziehung                     

Spracherziehung

hier ist in der Regel der Sprachgebrauch höher, meist folgt im Anschluss an die eher wortlose Darbietung die sog. 3-Stufen-Lektion. Diese wird im Thema: „Die Drei-Stufen-Lektion“ genauer vorgestellt.


Abschluss